Quarantäneurlaub




 

 

 

 

 

 

 

Seit einem Jahr gibt es inzwischen Hotel Quarantänebestimmungen für die meisten Einreisenden in Australien. Wir haben es lange genug verschoben, in der Hoffnung die ganze Sache zu umgehen; leider ohne Erfolg. Die kostengünstigere Variante zu Flügen und Hotelquarantäne sind im Moment die Rückholerflüge der australischen Regierung.
Dachten wir, leider ist es mit den Ankunftsbeschränkungen für Passagiere in Australien im Moment fast unmöglich, mit Economy class nach Hause zu fliegen. Aufgrund von technischen Pannen oder einfach nur Überlastung des servers wegen der grossen Nachfrage mussten wir Economy Plus buchen, was die Flüge fast doppelt so teuer wie geplant machte.
Wir hatten allerdings die Horrorstories über private Hotelquarantäne in Australien gehört und wollten das so weit wie möglich vermeiden,  indem wir in einer staatlichen Quarantänestation unterkommen. Vorteil: Wir müssen nicht wie im Hotel die ganze Zeit in einem kleinen Zimmer verbringen sondern wir haben eine Veranda und frische Luft.
Nach buchen der Flüge mussten wir uns durch Papiermassen quälen, die Dantes Vorhof zur Hölle wie ein Witz aussehen lassen. Was mir und meinem 9-jährigen Sohn jetzt bevorsteht ist: Früh um sechs mit 80 Kilo Gepäck mit dem Zug nach Frankfurt um spätestens bis Zwölf im Hilton einzuchecken. Dort absolvieren wir die 48-Stunden Quarantäne (die keine 48Stunden dauert), um dann früh um sechs für einen 16 Stunden Flug nach Darwin einzuchecken. 16 Stunden durchfliegen klingt himmlisch, ohne Aufenthalt und Umwege…
In Darwin angekommen werden wir dann zu unseren Quarantaene-Bungalows gebracht, in denen wir dann zwei Wochen verbringen werden. 

 

 

Dinge die mir schon vorher geraten wurden zu beachten:
- nimm Vitamin-D-Präparate mit
- pack Reiseadapter für alle elektronischen Geräte aus Übersee, oder ein Powerboard ein
- pack ein HDMI-Kabel ein, um von Ihren Geräten auf den Fernseher zu streamen oder nimm einen firestick mit
- bring  Besteck, eine Schüssel und einen Teller mit. Quarantaeneunterkuenfte stellen Einwegbesteck und verpackte Lebensmittel zur Verfügung.
- wenn du keine australische SIM-Karte hast, versuch eine  vorher zu bestellen, in Howard Springs wurde uns allerdings angeboten eine zu bestellen, das ist in normalen Hotels allerdings nicht der Fall
- nimm ein Springseil oder andere Trainingsgeräte mit

 

 

 

 

 

10.08.21

Erster Tag, Saufrüh aufgestanden, Sushi im Zug und Nebel über Deutschland. Wir haben so sauviel Gepäck,  ich  hab deshalb einen durchgehenden Zug zum Frankfurter Flughafen gebucht. Wenn man allerdings Pläne mit der Deutschen Bahn macht, lacht sich der liebe Gott bekanntlich kaputt.
Auf dem Frankfurter Hauptbahnhof, eine Station vor unserer Ankunft und auch eine Station bevor der Zug offiziell endet, is Schluss mit lustig, alle müssen raus ohne Grund, und ne halbe Sunde auf den nächsten Zug zum Flughafen warten.
Mit mir wartet eine ältere Dame, die sich nach dem Tod ihres Mannes und trotz Corona das erste mal traut allein zu Fliegen. Mit 40 Minuten Verspätung muss sie dann allerdings rennen um noch einchecken zu dürfen. Das  Hilton ist superschlecht ausgeschildert so dass wir mit unserem ganzen Gepäck erstmal ins Marriott und dann auf die andere Seite vom Foodhub geschickt werden. Nach dem einchecken dürfen wir noch  bis 13:00 einkaufen gehen und dann im Hotel auf unsere Coronatests warten. Gegen vier kommen die Jungs angerollert, können allerdings unsere Codes nicht zuordnen. Ich muss die originalen Emails finden und gegen fünf haben wir dann unseren Mundswap. Jetzt wissen wir immer noch nicht, ob wir Corona haben und warten auf unsere Testergebnisse.  Na wenigstens haben wir Netflix mit.

 

 

 


 

11.08.21

Heute streikt die Bahn, ich glaube das Schicksal meint es gut mit uns. Wäre das gestern passiert, wäre es uns beiden nicht zum Lachen zumute gewesen. Im Hotel haben wir lange gebadet, Nägel lackiert, sind auf dem Bett gesprungen, haben mehrere Kissenschlachten gemacht und ewig viele Filme geschaut.
Essen gabs mitgebrachtes, im Quarantänepreis ist das nämlich nicht inklusive.
Wenn ich mir vorstelle, dass die normale Hotelquarantäne zwei Wochen lang in einem Zimmer wie diesem, ohne öffenbares Fenster stattfindet wird mir ganz anders.

 



 12.08.21

Saufrüh aufgestanden, versucht einen Trolli zu besorgen: das Hilton konnte mir schon auf Anfrage am vorhergehenden Tag keinen Gepäcktrolli besorgen (warum auch immer), und mit der vagen Beschreibungen an welcher Stelle man die findet konnte ich auch kaum etwas anfangen. Als ich dann die Station finde stelle ich fest dass man dafür Geld bezahlen muss, und zwar nicht etwa Münzen, Scheine oder Bankkarten, nur Kreditkarten werden
akzeptiert. Man muss die Deutschen lieben, wenn sie keine Toilette haben für die sie Geld nehmen können finden sie garantiert etwas noch Besseres.

Von Terminal 1 zu 2. nimmt man bekanntlich die Monorail und es sind glücklicherweise noch andere Familien nach Australien unterwegs die uns weiterhelfen. Ich verfluche den Moment in dem ich dachte meine Gepäckerlaubnis von 80kg muss ausgenutzt werden. Als wir im Flugzeug sitzen merke ich allerdings, dass Economy plus jeden extra Cent wert ist, soviel Fussraum ist fast dekadent. Direkt vor uns ist die Businessklasse total leer, wahrscheinlich fliegen im Moment nur Privatleute.

 

 


 

 13.08.21

Freitag, der 13.! B hat nur vier stunden geschlafen, zwei davon in der Businessklasse. Das auschecken geht, nachdem wir noch ewig im Flieger sassen schneller als ich dachte. Zu Fuss in den Abfertigungsschalter, einer nach dem anderen. So viel Personal wie hier rumsteht muss die Wirtschaft extrem angekurbelt werden. Alle in Vollkörpermontur, und wir müssen natürlich auch ununterbrochen Maske tragen. Sonst gibts eine Strafe von 5000AU$. Ich schätze dass etwa drei Beamte auf einen Reisenden kommen, nur hier in der Abfertigungshalle und auf dem Weg zum Bus.  Alle sind sehr hilfreich und nett, im Gegensatz zu Frankfurt, wo man sich immer entschuldigen muss wenn man eine Frage hat. Dann gehts mit dem Bus, vorbei an Palmen und viel Grün. im Camp geht es wieder eine nach dem anderen aus dem Bus. Mit dem Trolli durchs Camp, Fieber messen und in langen Schlangen anstellen um die Schlüsselkarten für die Häuser zu bekommen. B und ich kommen in eine Reihe von Häusern in der wir die einzigen sind. Wir können andere Leute hören und auch von weiten sehen, aber in unserem Block ist kein Schwein. Die Blöcke bestehen aus langen Reihen Bungalows mit Veranda. Unsere ist riesenlang da niemand anderes in unserem Bungalowblock wohnt. Wir haben zwei nebeneinanderliegende Einheiten jede hat ein kleines Zimmer mit Bett, Fernseher, Kühlschrank und einem Bad. Die Klimaanlage läuft schon, und das ist auch notwendig. An Vorräten gibts extrem viel Süsses, schwarzen Tee, Instant Kaffee, Milch, Handtücher Lappen Toilettenpapier, Seife, Wasserflaschen,  Instant Nudelsuppen. Gegessen wird leider aus Plastenäpfen, Pappbechern und mit Holzbesteck. Wir haben uns eigenen Tassen, Besteck und  Teller mitgebracht. Als ich mit Fragen  versuche beim Personal anzurufen ist leider alles besetzt und als wir dann gegen fünf unser frisches Essen bekommen, ist das vermummte und beschirmte Team auch schneller wieder weg als sie da waren. An frischem Essen gibts: Quinoasalat, Hühnchensalat, Fruchtsalate, Lachs, Nudelauflauf, mehrere Kuchen, Süßspeisen, Äpfel, Belegte Brötchen und Wraps. Ganz schön viel. Internet gibt es und unseren Firestick haben wir auch zum Laufen gebracht. Glücklicherweise haben wir daran gedacht eine australische Verteilersteckdose mitzubringen sonst hätten wir ganz schon doof ausgesehen. Heut Nacht haben wir es hinbekommen bis um sechs bzw. halb acht  durchzuhalten. gegen Zwölf sind wir zwar nochmal aufgewacht und B hat den restlichen Nudelpams gegessen, aber das Eingeschlafen ging auch wieder ganz ok. Ich haben Melatonin mit, B will allerdings auf keinen Fall Drogen;) nehmen und wir benutzen die kostenlose Version von “Relax Melodies”, um wieder einzuschlafen. B meckert zwar, dass das viel zu langweilig ist, aber funktioniert hat es bisher immer.

 

 


 

 


 

14.08.21

 Früh um 5 aufgewacht, den Sonnenaufgang beobachtet. Das Wetter ist toll und die Vögel zwitschern. 10 Instant Kaffe und Yoga gemacht. Weil niemand drumherum ist kann man sowieso machen was man will es stört ja niemanden wenn man Radio hört oder auf der Veranda rumhüpft. B, der normalerweise um sechs im Bett steht, muss kurz vor 8 aus dem Bett gekitzelt werden weil ja um acht das Testteam  kommt um den Coronatest zu machen. Unser Frühstück sieht toll aus, wir haben auf den kleinen runden Metalltisch weisse Kissenbezüge als Tischdecken gelegt. Wenn wir schon aus Plasteasietten essen müssen, dann wenigstens mit Stil. Es gibt Früchte Yoghurt, Cornflakes und Mangosaft. Ist alles ganz ok, kombiniert mit ausreichend Instantkaffee. Wenn man sich lange genug einredet, dass man etwas mag, vielleicht funktioniert das dann auch irgendwann. Einen Moment lang wundere ich mich warum die Tische festgeschraubt sind, sicher gibt es hier interessantere Dinge zu klauen, aber wenigstens die Stühle lassen sich bewegen und da uns ja die ganze Veranda gehört holen wir uns die Stühle aus den anderen Zimmern noch dazu. Das Testteam kommt und kitzelt uns in Mund und Nase. Ganz leicht, sonst wäre B wahrscheinlich gleich weggerannt und ich hätte die 5000$ Strafe bezahlen müssen.  Ich jammere den Helfern ein wenig vor wie allein wir hier sind, und sie bestätigen mir, dass hier niemand mehr einzieht. Eine der beiden verspricht nachzuschauen, ob es noch andere freie Zimmer gibt. Jetzt beginnt der Rest des Tages, dem Kind wird aufgetragen sich ausreichend mit echten Dingen zu beschäftigen bevor es digitale Medien nutzen darf. Wir haben auch eine riesige Auswahl an Sachen mit. Er entscheidet sich an die Decke starrend auszuharren bis ihm Minecraft erlaubt wird. Ich muss sehr überzeugend gewirkt haben als ich ihm mitteile, dass er ohne ausreichend Bewegung, geistig und körperlich, gar nüscht bekommt, denn er macht ein paar unwillige Hopser mit dem Springseil und spielt wiederwillig Karten mit mir.  Für alle, die Anregungen brauchen wie sie in der Heimisolation genug Bewegung bekommen:   https://www.youtube.com/watch?v=RmmM11fzlKk     Wir halten uns hauptsächlich mit Yoga und Seilspringen fit. Wahrscheinlich werden da im Laufe der Zeit noch ein paar  dazu kommen.

 


Zum Mittag gab es Tagliatelle mit  Hühnchen und einem Salat. Beides wurde von meinem Sohn abgelehnt, was aber nicht wirklich ins Gewicht fällt; hier gibt es so viel Essen, dass wir die Hälfte wegwerfen müssen. Wir haben uns also dafür entschieden nur die leckeren Dinge zu essen. Normalerweise hätte ich ein riesiges Problem mit dem Müll den wir hier produzieren. Schon am ersten Tag hab ich einen riesigen Beutel mit Dingen aussortiert die wir nie benutzen werden: Tee, Zucker, Holzbesteck. und Jeden Tag kommt mehr dazu. Zu jeder Mahlzeit bekommen wir abgepacktes Holzbesteck, alles ist in Plastecontainern eingepackt. Der Greta würde das Herz stehen bleiben. Am Ende des Tages habe ich eine grosse Plastetüte mit Müll zusammengetragen,  und ich bezweifle, dass sich das in den nächsten Tagen ändern wird.  Wenn wir wirklich noch Sachen brauchen sollten könnten wir im Supermarkt etwas bestellen, aber im Moment erscheint das unwahrscheinlich, bei den Massen, die wir hier geliefert bekommen. Gegen Nachmittag habe ich mich dann auch durch das Informationsheft durchgearbeitet und herausgefunden, dass unser Block jeden Tag Wäsche waschen gehen darf, Ich jubele! Auf dem Weg ergeben sich alle möglichen Chancen mit echten Menschen zu quatschen, so isoliert ist es hier doch nicht.

 

 


15.08.21
 

Heut früh sind wir vom Temperatur-mess-Team geweckt wurden. Super unangenehm, wenn man völlig verpeilt da hinaussteuer, und einem die Temperaturtanten ein fröhliches “Guten Morgen” entgegenwefen. Dann musste ich auch noch zehn Minuten an B rumwackeln damit der aufwacht. Danach war der Morgen gelaufen, wenn B “unsanft” geweckt wird frühstückt man lieber mit einem feuerspeiendem Drachen.
B hat ein Jetlag, damit hatte ich nicht gerechnet, mir geht es diesmal ausgezeichnet, dafür kann er abends nicht einschlafen. Nachdem wir jetzt schon zwei Tage hier sind haben wir uns auch dafür entschieden, nicht nach anderen Zimmern zu fragen. Wir haben eine riesige Veranda, dürfen jeden Tag einen Spaziergang (oder mehrere) zur Wäscherei machen, wo wir potentiell andere Menschen treffen können. Wir können laut Musik hören und mitgrölen. Wir können Springseil springen ohne jemanden zu stören. Und wir können Yoga machen ohne dass uns jemand vom gegenüberliegenden Balkon zuschaut. Ausserdem haben wir heute einen Besteckturm angefangen zu bauen, Karten gespielt, und aus den überflüssigen Tüten Quarantänegesichter gebastelt. Den Quarantäne-Knigge habe ich immer noch nicht studiert.

 

 

  

 

 

 

16.08.21

Schon wieder verschlafen und vom Temperaturteam geweckt wurden. Ich bin mir sicher, wir sind nicht die einzigen verdudelten hier, deshalb stört es mich nicht direkt aus dem Bett im Schlafzeug umzusteuern, was kommen die auch so zeitig. Um acht pahh. Ich hab diesmal keinen Jetlag, allerdings hat es B. erwischt. Der hat sich bis kurz nach zwölf noch im Bett hin und hergeschmissen, kein Wunder also, dass wir heute früh nicht so zeitnah wach waren. Heut ist wieder perfektes Wetter, im Quarantänehandbuch hab ich gelesen (ich habe es jetzt endlich gelesen), dass der Winter in Darwin im vergleich zur Sommerhitze oder der Regen und Sturmzeit echt perfekt ist. Im Vergleich zur Hotelquarantäne darf man sich hier keine Care-packages schicken lassen, die könnten ja kontaminiert sein. Man kann, wenn man extra Wünsche hat  bei Supermärkten Extrawürste bestellen. Alles in allem haben wir hier ja eigentlich alles  außer vielleicht ner Yogamatte, aber die muss ich dann wieder im Flugzeug nach Hause schleppen, deshalb lasse ich das lieber. Was uns aber fehlt ist Trinkwasser. Das Leitungswasser schmeckt so extrem nach Chlor, dass B sich weigert davon zu trinken. Leider hab ich den richtigen Bestellzeitpunkt zum Bestellen verpasst. Das heißt das Wasser kommt erst übermorgen. Bis dahin spielen wir Onkel Fritz sitzt in der Badewanne und quälen uns die Chlorbrühe rein. Ach ja, das Quarantänehandbuch hat’s unter die Veranda geweht, von da winkt es mir lustig zu, jetzt hab ich keine Nummern mehr um mich über die Dinge zu beschweren. 


 






17.08.21
 

Kaffee, Temperatur, Frühstück. Unser Seil-Springen hat sich über die Zeit zu einem Wettbewerb entwickelt, wann immer ich springe, springt B einen Hopser mehr als ich. Ich muss mich innerlich totlachen, am Anfang hab ich Mühe gehabt ihn zu zwanzig Sprüngen zu motivieren, inzwischen springt er 500 am Tag. Yoga, Karten spielen, lesen, Mittag essen.  Wir haben schon voll die Routine raus. gestern hatten wir den ersten Kindermeltdown. B sieht nicht ein, dass digitale Medien erst nach dem Mittagessen erlaubt sind und vorher ein paar Sachen wie Sport und Englisch lesen erledigt werden müssen. Englische Bücher lesen ist ihm zu langweilig, ausserdem hab ich auch bloß eine super begrenzte Anzahl mit. Immerhin sind wir ja mit Koffern unterwegs, die getragen bzw. gerollt werden wollen. Deshalb haben wir zum lesen lernen wieder Reading Eggs abonniert. Damit haben wir früher schon gute Erfahrungen gemacht. Ich dachte er wird langsam ein bisschen alt dafür, aber im Laufe der Zeit wurde die App auch für ältere Lesekinder ausgebaut https://readingeggs.com.au/ .
Für mehr Bewegung hat mir eine Freundin das  7 Minutes app empfohlen  https://seven.app/, gegen die lange Weile haben wir angefangen Emoji Gesichter aus Tüten zu basteln, und einen Turm aus unserem unbenutzten Holzbesteck zu bauen. Das traurige ist, was auch immer wir hier an verpackten Vorräten nicht benutzen selbst der Zucker und das Holzbesteck, wird am Ende sowieso entsorgt, da es ja alles kontaminiert ist.
Nachmittags kommt plötzlich eine SMS; wir dürfen nur noch aller drei Tage Wäsche waschen, was natürlich ein Schlag in die Magengrube ist. Immerhin ist der Gang zur Wäscherei die einzige Möglichkeit mit anderen Menschen zu reden.  Plötzlich fühlt sich das Camp doch ein bisschen wie ein Gefängnis an.  Als dann auch noch das Internet ausfällt rufe ich nach bester deutscher Manier das Servicepersonal an, um mich zu beschweren. Die sind natürlich darauf getrimmt auf solche Situationen perfekt zu reagieren, verständnisvoll mit mir zu reden und mich zu beruhigen. Die Frau erzählt es hätte einen Vorfall an einer der Wäschereien gegeben. Ein Mann hätte nicht eingesehen dass man wartet damit das Haus leer ist bevor man selber seine Wäsche wäscht, und generell wären zu viele Menschen gleichzeitig unterwegs gewesen. Deshalb müssen wir jetzt alle zurückstecken. Na Dankeschön.
Der weg zur Wäscherei ist plötzlich mit einem Bauzaun abgesperrt.
Generell ist das Personal hier sehr besorgt um die mentale Gesundheit der Quarantänlinge. es gibt Nummern für den Fall dass man mit jemandem reden will und man wird auch ständig gefragt ob es einem Gut geht.
Abends rufen wir zu Hause an, um zu quatschen.



 

 

 18.08.21

Tag sechs

Kaffee , Temperatur , Frühstück, Gott sei dank blogge ich, sonst wüsste ich gar nicht welcher Tag heut ist.
Heute sind wir ausreichend auf dem Bett gesprungen, ist ja nicht unsers  und haben Kissenschlachten gemacht. Das Kind möchte den Schlafanzug nicht ausziehen, heute ist der faulste Tag der Welt.
Endlich dürfen wir Wäsche waschen. Ein Typ ist vorher sich gestern vor dem neuverschlossenen Bauzaun ausgesperrt, heute ist alles wieder offen.
die Leuten um die Ecke erzählen über ihre Pläne nach der Quarantäne und wir lachen uns scheckig über die ganzen Leute, die wir kennen, die der Meinung sind Australien bestände nur aus giftigen Tieren. Die Stewardessen dürfen heute schon wieder los, nach London. Fünf Tage Quarantäne sind genug für das Flugpersonal. Später werde ich vom Wachschutz angeblafft dass ich meine Maske immer draußen tragen muss. Ich erörtere innerlich ob es wert ist denen zu stecken, dass wir die einzigen in dem Block sind, entscheide mich aber dagegen. Es geht hier ja eh nur ums Prinzip.
Der Holzbesteckturm funktioniert nicht.

 

 


 

 
 
 
 
19.08.21
 

Halbzeit, das Kind hat keinen Jetlag mehr, will aber trotzdem nicht aufstehen. Radiosender aus Deutschland kann man hier leider nur im Nachtprogramm empfangen. Gegen eins auf die Nacht steppt auf Deutschlandradio und Deutschlandfunk  nicht so der Bär, und  MDR aktuell hat meistens Wiederholungen von Unterliega-Fussballspielen laufen, warum auch immer. Ich hab Muskelkater und eine Sehnenscheidenentzündung im Fuß vom Seilspringen, also muss ich auf Rumpfbeugen umsteigen, so ein Mist.

Wenn ich hinter unserem Haus den Müll wegschaffe kann ich sehen dass dort andere Familien mit Babys und Kleinkindern wohnen, die haben sich behelfsmäßig Babygates und Weglaufsperren aus Plastikfolie gebaut Außerdem haben sie die Unterteile ihrer Betten als Sperre hingestellt. Wahrscheinlich haben sie sich auch die Matratzen in den Räumen als Doppelbetten zusammengestellt. Darauf haben wir verzichtet. B und ich schlafen immer zusammen in einem kleinen Bett, weil B Angst hat, allein im Zimmer zu schlafen. Außerdem haben wir die Türschlösser mit Putzlappen abgebunden da die Schlösser immer schließen sobald ein Windstoß kommt. Wenn man seine Schlüsselkarte drinnen vergessen hat muss man erst den Wachschutz anrufen um die Tür wieder aufzubekommen. Vorausgesetzt man hat sein Handy mit rausgebracht. Sonst guckt man in die Röhre.
 
 

Am Nachmittag kommt eine SMS: wir sollen nicht alarmiert sein wegen Rauchentwicklung, das würde nichts bedeuten, und selbst wenn es was bedeuten sollte, würden wir rechtzeitig evakuiert werden.
Danke für die Panikattacke, im Handbuch steht dass hier rundherum kontrollierte Brandrodungen stattfinden also hätte ich mir auch keine Sorgen gemacht, wenn nicht ein bekloppter auf die Idee gekommen wäre mir diese konfuse SMS zu schicken.
 Heute hätte ich Appetit auf ein Bierchen, aber wir sind hier ja ein trockenes Camp, Alkohol wird am Eingang eingesammelt. Dafür gibts viel frische Luft, Rauchentwicklung kann ich noch nicht riechen.
 


 

 


 

 20.08.21

Zerschlagen aufgewacht. Das Kind ist schon wach, hat mich aber nicht geweckt. Es will ja auf dem Handy klickern und braucht dabei keine moralische Stimme des Erziehungsberechtigten.
Inzwischen hab ich ihm so ziemlich alle Webseiten gesperrt, da er es immer wieder hinbekommt auf YouTube hängen zu bleiben um sich Videos über andere Leute die Spiele spielen reinzuziehen.
Jetzt kann er nur noch Nachrichten schreiben oder den Taschenrechner benutzen.

Für den Fall von einer Evakuierung hab ich unsere Pässe und Kreditkarten in einer Tasche am Eingang neben den Schuhen deponiert. Nach so ner SMS weiß man ja nie! Mit B hab ich besprochen was er zu tun hat falls wir Feueralarm haben, und versucht ihm dabei keine Angst zu machen.
Der Himmel ist bedeckt, was bedeutet es ist heute nicht so brütend heiß und ich brauche die Klimaanlage erstmal noch nicht anzumachen. Über den Tag zieht es auf, und das pralle Mädchen von ganz weit gegenüber hält wieder alle ihre Körperteile einzeln in den brutzelnden Sonnenschein. Sie hat inzwischen die gesunde Röte einer gekochten Languste angenommen und sieht auch ganz glücklich damit aus. Die australische Sonne ist halt auch was ganz spezielles.
Wir Spielen Karten, lesen, schauen Disneyfilme und klickern auf dem Computer.
Vieles hier definiert sich inzwischen übers Essen, denn das ist immerhin meistens das spannendste was am Tag so passiert. Deshalb denkt man auch definitiv sofort an das Schlimmste, wenn das Essen erst um sieben und nicht um fünf kommt.
Inzwischen riecht es definitiv nach Rauch und die Luft ist diesig.

 

 




 

 

21.08.21


Heute haben wir einen Durchhänger, den Morgen verbringen wir mit TikTok Videos, bis die Mädchen ganz weit hinten in J1 anfangen zu tanzen, da brauchen wir TikTok  nicht mehr.  Grad bin ich erschrocken, als ich auf meinem Handy gesehen hab, dass es Samstag ist. Wir sind hier so raus, das geht auf keinen TikTok account.
Mittags kommen extra Snacks, als ob wir noch nicht genug haben. Ich hab mich inzwischen auch daran gewöhnt die Hälfte meines Essens erstmal direkt wegzuwerfen. Nicht weil es nicht schmeckt (manchmal auch das), aber die Menge an Kalorien, die wir hier hingestellt bekommen, kann kein normaler Mensch mit nur einem Springseil abarbeiten. Also direkt ab in den Müll. Die Tarts dürfen bleiben. Die Pies auch.
heut ist Wäschetag und da ich gestern endlich mal die Betten neu bezogen hab, haben wir auch eine ganze Menge Zeugs, als wir allerdings vor der Wäscherei stehen, stellen wir fest, dass alle Trommeln entweder besetzt oder kaputt sind. Ein hilfreiches Mädchen lässt uns wissen, dass wir wegen mangelnder Kapazität jetzt auch zur nächstliegenden Wäscherei gehen dürfen.
Jippi, Roadtrip! 


 

 Die nächste Wäscherei ist genau hundert Meter hinter unserer, aber eine Menge Neuland kann auf hundert Metern liegen. und die Strecke kann sich auch zeitlich extrem dehnen. Immerhin müssen wir den Trip heute mehrmals machen, da wir ja so viel Wäsche haben. und für den Fall der Fälle können wir zwischendurch auch noch mehrmals checken ob die Wäsche noch da ist.


 

 

Auf dem Rückweg entscheidet sich B  wie ein rotznäsiger kleiner Braten zu handeln und ohne Maske mitten im Camp wegzurennen, während die Campcops vor uns her schwadronieren. Mir bleibt fast das Herz stehen.
Der Beschwer-Baer aus K2 sitzt draussen und häkelt, In K 1 macht eine ganze Familie Yoga auf der Veranda, und hinter mir im H Block machen die Babys alle Mittagsruhe.
Wie nix ist heut der Tag vergangen, kann nicht jeder Tag Waschtag sein?

 

 

 

 

 

 22.08.21

Tag 10


Heut früh haben wir B Haare geschnitten, die Reste weht es uns immer noch um die Nase, das ist super appetitlich beim Kuchen essen. 

B hat lauter neue Kartenspiele erfunden, auf Dauer übernommen haben wir nur die Uno-Erweiterungen für MauMau. Karten spielen ist heute auch unsere Hauptbeschäftigung, Alle Spiele die uns einfallen werden durchgespielt in allen Abwandlungen und Versionen die wir uns denken können.
 


 

Der  Wachschutz kommt extrem oft vorbeigelaufen, die Leute müssen inzwischen immer mehr am Rad drehen, und unruhiger werden.
Ständig fällt das Internet aus, und man sitzt wenn man mal was zu tun hat Sinnbefreit da und wartet; den ganzen Tag warten wir auf irgend etwas. Auf die Temperaturfrauen, aufs Essen, aufs Internet auf Sinn und auf eine kühle Brise.
Wir haben einen Durchhänger, eine Woche ohne Zweck und Verstand einfach rumzusitzen ist ja ok, aber jetzt wird es langsam doof.
 

Draußen ist eine japsende Hitze, und im den Zimmern haben wir ja Klimaanlage, da fühlt man sich  eingesperrt wie in einem dunklen Loch.
Wir haben keinen Salamander gesehen aber haufenweise Ameisen und 12 mal den Müll weggebracht.





 23.08.21


Früh aufgewacht ohne jegliche Motivation, aber irgendwas passiert immer am Tag, hofft man.
Man kann Türme aus Pappbechern bauen, essen, in die Luft starren, essen oder Netflix schauen.

Niemand von uns will mehr das ekelhafte Fleisch essen, was jeden Tag kommt; deshalb hab ich heute versucht unsere Essen auf zwei Vegetarische umzustellen. Leider ist das im Nachhinein nicht mehr möglich. Also werfen wir das Fleisch weiter weg… supertraurig.
Wenigstens gibt es neuen Kaffee.
Die Mädchen im J Block machen wieder synchronisierte TikTok Tänze
Meinem Löffelturm fehlt es an Aussteifung, ständig dreht er sich und fällt auseinander.
Gefangenschaft gegoogelt, Kurzsichtigkeit ist die harmloseste der Nebenwirkungen.
Am Nachmittag erreicht uns die Nachricht, dass Darwin in der roten Quarantänezone liegt. Das heisst, dass alle Leute die aus Darwin nach Melbourne einreisen zwei Wochen Quarantäne zu Hause machen müssen.   _?_

 


 

Das klärt sich aber recht schnell, Die Quarantänestation ist aufgrund ihrer Funktion als solche bei dieser Regelung ausgeschlossen. Logisch, aber man weiss ja nie. Logik ist momentan nicht der Freund der Regierungsapparate überall in der Welt.
Sicherheitshalber lad ich mir schnell noch die australische Corona App runter. Man weiss ja nie.
wenn mir dolle langweilig ist, fange ich an alle meine Schönheitsprodukte zu benutzen und B anzubieten sie an ihm auszuprobieren.
Kaffe ist nicht gekommen.

 

 





24.08.21
Tag 12
Der Kaffee liegt auf der Veranda!
Wir sind fast durch, ich fang sicherheitshalber schon an meine Koffer zu packen hab ja sonst nix zu tun.

B programmiert seinen Roboter.
B kann in zwei Minuten 40 Runden um seinen Stuhl rennen, 20 gifs im Messenger in einer Minute verschicken und immer freche Antworten geben.
Ich beobachte Vögel, B findet das langweilig. Wir hören laut Musik, das hilft immer wenn man mal schlecht drauf ist.
Niemand tanzt heute in Block J für tik-tok.
Block J macht Bauch und Po Übungen.


 

Heut ist wieder Wäschetag und wir denken uns den Salamander-Challenge aus. Der erste der einen Salamander sieht und fotografiert hat gewonnen. Nach dem leckersten Käsekuchen (ohne Boden) der Welt, wollen wir uns gerade zum Wäschewaschen aufrappeln, da fängt es an wie aus Eimern zu schütten. Das sieht nach Abkühlung aus. Um uns herum entstehen lauter kleine Flüsse und unsere Veranda steht unter Wasser.


 

 

Als wir Wäsche waschen gehen, haben wir keine Probleme kleine Salamander zu finden, die sonnen sich in der Matsche-patsche und platschen genau wie wir in den Pfützen herum.

 


 

 

 


26.08.21


Niemand hat Lust aufzustehen, die Maedchen vom Temperaturteam erinnern uns, dass das unser letzter Tag ist.

Wir brauchen laute Musik und tanzen auch ein bisschen. 

Um uns herum passiert nicht mehr viel, ich denke das ganze Camp fiebert lethargisch dem Ende des Zwangsurlaubs entgegen.


Früh gibt es einen Anruf von den Service-Maedchen  es geht morgen um 11 los,  halb elf wird mein Trolli da sein. Die haben hier echt mehr drauf als im Hilton. Wir sind den halben Tag beschäftigt Pappbecher und angegessenes Essen wegzuwerfen. Ich überdenke ob ich die Restsüßgkeiten mitnehme oder einfach mit entsorge, aber man weiss ja nie was uns morgen so erwartet. 

Lieber mal Wegzehrung einpacken! 

Die Massen an Koffern werden wieder gepackt . Den Löffelturm hebe ich mir für heut Abend auf, sozusagen als Belohnung wenn alles erledigt ist.





 

 

 

 

 

27.08.21
 


Frühstück gegessen, Karten gespielt, nervös auf die tausend Koffer geschielt.
Keine Trollies da.
Um uns herum checken alle langsam aus, keine Trollies.
Unsere Unmengen an Taschen stapeln sich auf der Veranda. Die Mädchen vom Abholdienst kommen um uns mitzunehen

und organisieren uns Trollies. Lustig schieben wir durchs camp und winken zum Abschied dem Waschblock zu. Schnell noch unterschreiben, dass wir auch wirklich gehen wollen und los gehts.

Im Bus sitzen wir ganz vorn, der Fahrer gibt uns eine kleine Tour.
Das Camp war ehemalig für Gasarbeitern gebaut, mit Pool und Spa; alles steht unberührt und jungfräulich da. So war das nicht gedacht.
Wir lernen  dass nur die Salties, die Salzwasserkrokodile gefährlich sind und die Freshies (Frischwasserkrokodile )ganz klein.

Als wir am Restaurant mit den Goldenen Bögen vorbeikommen überlegt der Bus geschlossen ob es sich lohnt für einen Stop die Quarantäne zu riskieren, entscheidet sich aber schweren Herzens dagegen.
Flughafen, Check in, Warten.

Unsere Taschen auf dem Band fahren draussen lustig Richtung Flugzeug, und als wir auch Platz genommen haben gibt es diesmal auch andere Getränke als Wasser. Während ich alle angebotenen Weinsorten unter dem missbilligenden Stirnrunzeln einer ältlichen Flugzeugbegleiterin verkoste, schunkeln wir lustig wackelnd durch die Wolken.
Unsere persönliche Boardunterhaltung das Handy verkündet uns freudig dass wir in Australien 90%der heruntergeladenen Filme nicht anschauen dürfen. Globalisierung halt.
In Melbourne geht verwunderlicherweise alles superschnell.

Wir hatten schon einen Wagen gebucht, da ja Corona ist, fühlt die australische Regierung dass es sicherer ist von einem Taxi abgeholt zu werden in dem jeden Tag hunderte verschiedene Passagiere befördert werden. Privatfahrten sind nicht erlaubt. Eine durchschnittliche Taxifahrt vom Flughafen zu uns kostet 70Au$, und wir wohnen gar nicht so weit vom Flughafen entfernt.
Willkommen in Melbourne