2021, Fitzroy North
Woche 1; 5km
Nach
zwei Wochen Veranda und Netflix endlich wieder Fahrrad fahren und in
einem echten Supermarkt einkaufen gehen, was für ein toller Gedanke. Die
Wirklichkeit ist leider ein wenig anders; während wir in Darwin auf der
Veranda herumlungerten hat sich unsere Welt geändert.
Der erste Tag
in Melbourne ist sonnig und perfekt zum Fahrrad fahren. Freunde kommen
rüber um mit uns eine Radtour zu unternehmen, Allerdings traut sich
niemand ins Haus zu kommen, Besuche sind nicht erlaubt, Nachbarn stehen
unter Verdacht sich gegenseitig bei der Polizei anzuzeigen.
Lockdown in Australien ist anders als wir es von Deutschland gewohnt sind.
Das
erste was mich verwundert ist die Angst erwischt zu werden , und eine
Geldstrafe von 5000AU$ bezahlen zu müssen. Sicherlich sind wir in einer
Anarcho-Stadt wie Leipzig ein bisschen de-sensibilisiert was die
Umsetzung von Regeln Seitens der Polizei angeht, aber eine so grosse
Obrigkeitshörigkeit bin ich seit Ende der 80er nicht mehr gewohnt.
Erwachsene
im Park dürfen nur zu zweit laufen, Masken müssen auch im Freien
getragen werden. Niemand darf ein Haus betreten, welches er nicht sein
eigen nennt.
Niemand darf sich weiter als 5km von seinem Haus entfernen.
Beim Fahrradfahren und Joggen braucht man keine Maske zu tragen die Mehrheit der Menschen trägt allerdings eine.
Unser
Haus ist super, die Lage ist erstklassig gegenüber eines Parks mit
Fahrradweg bis in die Innenstadt. Ein Garten und Veranda auf der unsere
Hollywoodschaukel vor sich her schwingt.
In den Bäumen vor dem Fenster kann man den ganzen Tag Papageien und alle anderen Arten von Vögeln beobachten.
Nachts
brummelt es nebenan, ich bin mir sicher daß da ein Koala wohnt, was
noch bewiesen werden muss! Um uns herum segeln nachts Fledermäuse. Ich
kann es kaum abwarten, bis man wieder Bushcampen gehen kann.
Nachts
ist es saukalt, unglaublich, daß ich noch vor drei Tagen jede Nacht die
Klimaanlage laufen lassen mußte um überhaupt Schlaf zu finden.
Das Haus hat Zentralheizung, ist aber nach australischen Standards der 50ern gebaut, superzugig.
“cigarettes
after sex” passten fuer die letzten zwei Wochen quarantäne, B ist schon
leicht genervt, die Playlist wird um Kevin Morby erweitert, schneller
geht momentan nicht; Ab und zu Shakey Graves.
Im Park vor dem Haus stapeln sich Leute der BBQ ist 24/7 in Benutzung Menschen müssen kompensieren und raus in die Welt. und das dürfen sie momentan nur auf den Pfaden die als workout Wege vorgesehen sind.
In Deutschland wurden die Wanderstrecken in den ersten Wochen nach dem lockdown 20 gesperrt hier nicht, hier laufen Wochenendausfluegler wie die Schildbürger dicht an dicht.
Woche 2, 5km
Das Haus ist toll. Mit dem roten Teppich kann man leben, Blauen Teppich drüber fertig is der Lack, pice of cake.
Die
Küche ist gross, all die überflüssigen Teller, Tassen uns Gläser haben
Platz und noch mehr Überfluss kann angeschafft werden. Einbauschränke im
Schlafzimmer unbezahlbar. Die nutzlosen Nähprojekte haben Platz; und
die Nähmaschine auch noch. Unsere drei 60er Jahre Schränke stehen leer
und tragen ein paar ausgewählte Stücke die rotieren können. Platz
hatten wir noch nie so im Überfluss.
Der extra Raum, das
Arbeitszimmer das bei uns als Bowlingbahn läuft, ist der kälteste Raum
des Hauses in dem niemand existieren kann; fällt Überraschung: mir zu.
Nachdem alle anderen Mitglieder der Familie ihre “wichtigen”
Arbeitsplätze geclaimt haben. Ha, Wenn die Kälte vergeht lacht ihr nicht
mehr! Mit Blick auf den Garten ist der hintere Teil des Hauses meiner.
Die beiden Männer haben zwar den schöneren Blick auf den Park, aber die
Abgeschiedenheit und Ruhe des Hinterhauses ist meine.
Bilder
müssen an Leisten gehängt werden, aber das geht erst nachdem wir im
Baumarkt Materialien besorgt haben. Der einzige grosse Baumarkt in
Australien heisst Bunnings. Wir bestellen dort Kleber, Haken Tomaten und
Pflanzensamen. Der humpelnde Greis, der unsere Bestellungen
zusammenträgt, die alle im Lager existieren und nur zusammengetragen
werden müssen, um mit dem Auto abgeholt zu werden, braucht vier Tage.
Alle
nicht essenzielle Läden sind seit Wochen geschlossen, auch kleiner
Hardwarestores usw., die grossen Ketten mit grossem Online Angebot
profitieren ganz klar davon. Mitte der Woche hab ich bei Target Kreide
und Bilderrahmen bestellt, mal sehen wie lange das braucht.
B. wünscht sich Meerschweinchen, da wir unsere nicht mitbringen durften. Da wir unser Haus nur im Umkreis von 5km verlassen dürfen wird es schwer Meerschweinchen zu finden. Alle Tierheime und Einrichtungen für Tiere teilen mit, dass die Nachfrage nach Meerschweinchen momentan hoch ist, wenn der Lockdown zu Ende ist gibt es dann wieder volle Tierheime.
Auf zu Gumtree (ähnlich wie Ebay Kleinanzeigen in Deutschland) , da gibt es unglaublich viele Minischweine allerdings alle auf dem Dorf; die paar Schweinchen um Melbourne herum im 5km Radius sind Schweineteuer (Ha Pun), das ist Marktwirtschaft.
Mitte
der Woche treffe ich mich mit einer Freundin im Park, mit Maske sitzen
wir auf der Wiese; laufen in Zweierreihe nebeneinander her, wie es der
Gesetzgeber vorschreibt.
Woche 3, 5km 13.-19 September
Die Strasse und Gärten sind gefüllt vom Geruch des Jasmins.
Das
Kind lernt Englisch Lektionen im Lesen und Buchstabieren auf dem
Computer; In der Schule melden wir ihn erst an, wenn er auf einem Level
ist, auf dem er sich sicher fühlt. Momentan ist hier sowieso Heimschule.
Ausserdem gibts Lego und Minecraft.
Der
Geruch von Jasmin begleitet in Melbourner Vororten immer den Frühling,
leider ist Jasmin eine Schlingpflanze und gerät gerne ausser Kontrolle.
Ich verbringe 4 Stunden damit die Palmen in unserem Garten vorm
Erstickungstot durch zu befreien.
In unserem alten Viertel spazieren gehen ist deprimierend, 70% unserer Lieblingsläden haben zugemacht . Einkaufen gehen ist deprimierend da wir ständig an geschlossenen Kaffees und ausgeräumten Geschäften vorbei kommen.
Auf einem Spaziergang in unserer alten Nachbarschaft in Fitzroy treffen wir den Hund wieder, der immer vor seinem Haus in der Sonne liegt; trotz Pandemie, er liegt noch.
Viele Supermärkte machen um sechs zu, damit Angestellte vor der Ausgangssperre nach Hause kommen.
Mitte
der Woche bekommen wir unser erstes Schweinchen. Für “günstige” 45 AU$.
Wir schleichen uns durch Hinterstrassen mit dem Auto heran, da der
Abholpunkt 7km von unserem Haus entfernt ist.
Futter und Heu sind kein Problem, da Tierläden essenziell und offen sind.
B
wünscht sich Berliner, wir backen welche, nicht diätisch; aber für
einen Lockdown die richtige Beschäftigung. Das nächste mal mehr
Backpulver.
S. ist ein Meister in Misosuppe in allen Variationen geworden
Wenn
ich über den Tag ein Kaffee Date mit Freunden hab treffen wir uns auf
Spaziergänge, aber das bin ich ja schon vom deutschen Winterlockdown
gewohnt.
Freitag, mit Anfang des Wochenendes schleichen wir uns
ins Haus unserer Freunde. Einer durch den Vordereingang, einer durch den
Hintereingang, immer abwechselnd mit Abstand, damit die Nachbarn uns
nicht verpetzen. Gin und Bier fliessen freizügig, alle sind weinselig
und haben den Lockdown satt. Wir sind nicht die einzigen die sich heute
hereinschleichen, unsere kleine Party, geht nur bis acht dreissig. Um
neun ist Ausgangssperre.
Draussen im Park darf man die Maske zum Trinken herunterziehen aber nicht für Alkohol; das ist verboten.
In
der Innenstadt demonstrieren Menschen, deshalb sieht man in unserer
Gegend auch kaum Polizeikontrollen. Beim Fahrrad fahren in Carlton sehen
wir Menschen die auf der Strasse Polizisten beschimpfen.
Weder den Winter noch die Beschränkungen hab ich hinter mir gelassen.
Kreide und Bilderrahmen werden diese Woche nicht geliefert.
Woche 4 , 10km 20.-26. September
Die Bilder sind gehangen.
Der Geruch von Zitronenbäumen liegt in der Luft
Die
Tomaten sind gepflanzt (in schöner Tradition europäischer Einwanderer),
endlich bin ich auch ein “ethnisches” Mitglied von irgendwas.
Am Montag sollen wir ein zweites Meerschweinchen bekommen, aber die Besitzerin ghosted uns.
Glücklicherweise
finden wir später in der Woche eine Katzenomma, die Meerschweine
züchtet. Auf einem Parkplatz übergeben wir heimlich ohne Kontakt, das
neue Schweinchen, sie darf zum Arbeiten einen weiteren Radius von 10 km
überschreiten.
Unser zweites Schweinchen sieht aus wie ein Lemming wir nennen ihn deshalb Lemmy Kilmister unser erstes heisst DiDi Ramone
Die
English Lektionen mit dem Kind sind ziemlich erfolgreich er hat nicht
das Gefühl, aber das liegt eher daran, dass er sich langweilt und
traurig ist, weil er keine anderen Kinder hier kennt.
Bei
einer Plauderei mit den Nachbarn stellen wir fest, dass wir nicht die
einzigen sind, die heimlich in fremde Wohnung n schleichen. Die Nachbarn
haben Gäste zum Footischauen, wir laden auch gleich Freunde ein,
Verbrecher verpfeifen sich gegenseitig nicht.
Alkohol ist in
Australien generell sehr teuer, da die Regierung der Meinung ist wenn
man extra Steuern draufhaut wird weniger getrunken, am Ende führt das
nur dazu dass bei anderen Lebensmitteln an den Vitaminen gespart wird.
Inzwischen
hab ich herausgefunden dass es in Australien bei Aldi gutes Bier gibt
(im Gegensatz zu Deutschland) welches nur den halben Preis kostet,
cheers!
Unsere Freunde schleichen sich durch den Seiteneingang
einzeln rein, dann betrinken wir uns schnell bis halb neun und sie
schleichen wieder nach Hause. Ausgangssperre ist ab neun. Das hat den
Vorteil dass wir den nächsten Tag ausgeschlafen und ohne Kater aufwachen
und unseren Projekten nachgehen können als wäre nichts passiert.
Am
Ende der Woche fährt das Kind gegen die Absperrkette des Parks
gegenüber unseres Hauses; Mir wird ganz schlecht, Glücklicherweise hat
er allerdings noch 8 Katzenleben übrig und kommt mit blauen Flecken an
den Armen davon; Wir sind entrüstet, beschweren uns bei der Stadt über
unzuverlässig gekennzeichnete Absperrungen und basteln selber
Leuchteanhänger für die Absperrung.
Die Erdbeben blühen schon, ich freu mich.
Kreide und Bilderrahmen werden nicht geliefert,
ausserdem ist unser Paket aus Deutschland verschwunden.
Lockdown Woche 5, 10km 27.-03. Oktober
Der Garten riecht nach blühenden Rosen.
Endlich haben wir Zeit Nudeln selber zu machen, seit Jahren steht das Gerät herum und wird niemals genutzt, weil der Aufwand zu gross ist. Im Lockdown hat man das Gefühl alle Zeit der Welt zu haben. S muss überzeugt werden, dass Dinge nicht immer perfekt sein müssen, auch Nudeln; dann geht es allerdings.
Unser
Nachbar hat seinen Baum verschnitten und wir haben die Holzrester
bekommen. Daraus baut S Häuser für die Meerschweinchen. Er sägt auch
gleich ein paar schöne Bretter daraus zusammen, und verarbeitet die
zusammen mit B zu Häusern weiter. Sieht schick aus. Als alles fertig
ist, mache ich dann was ich den beiden von Anfang an empfohlen habe:
googeln, ob das Holz giftig ist. Und was soll ich sagen, Chinesische
Zeder ist an allen Enden giftig, vor allem die Rinde. Jetzt haben wir
ausgezeichnete Fußstützen und Ständer für Blumenkübel. Die
Meerschweinchen sitzen immer noch in Papphäusern.
Für B hat die Schule angefangen, erstmal übers Internet. Wir haben ihm einen einfachen Laptop besorgt, und jeden morgen um 9:30 sitzt er brav davor erledigt sein Schulmeeting und so schnell wie möglich seine interaktiven Aufgaben, damit er danach schnell Minecraft spielen darf. Fair enough, draussen schüttet es aus Kannen und Freunde hat er eh noch keine.
Ich
hab für unseren Esstisch ein Tischtennisnetz bestellt um dem Regen
vorzubeugen, der Salat ist ausgesät und ein Rasenmäher muss gekauft
werden, mit 10 km Bewegungsradius ist das allerdings eher schwer.
Willkommen in den Burbs.
Kein Rasenmäher in unmittelbarer Nähe aber
eine Heckenschere mit einem deutschen Stecker auf dem Bürgersteig im
Sperrmüll gefunden. Da weiss man gleich wo man ist. Fitz North ist die
Hochburg der gutbürgerlichen deutschen expat Elite in Melbourne. Ständig
hört man deutsches Hausfrauen- und Vatigeplapper vor und hinter sich
auf der Strasse, Gott sei Dank haben wir B nicht auch noch auf die
deutsche Schule geschickt.
Wir
laden Freunde zum Samstagbrunch nach Hause ein, die meisten von unseren
Bekannten trauen sich wegen den horrenden Strafen nicht in anderer
Leute Häuser, die Nachbarn machen BBQ und ich kann auch hören, dass sie
Bekannte eingeladen haben.
Die Kreide und Bilderrahmen sind immer noch nicht gekommen.
Lockdown Woche 6, 15km, 04.-10. Oktober
Die Rosen blühen.
Inzwischen schauen sich viele Leute gar nicht mehr um wenn sie in Häuser von Freunden schleichen.
Wenigstens ist es warm.
Wir schlafen inzwischen bei Freunden wenn wir uns gegenseitig besuchen, weil die Ausgangssperre 21:00 nervt.
Jeder der einen Park vor dem Haus hat ist klar im Vorteil.
Unser Park ist so voll wie selten.
Die
Kreide und Bilderrahmen sind immer noch nicht angekommen;unsers ist
nicht das einzige Paket was länger braucht. Die Post von Victoria ist
hoffnungslos überlastet. Wenn man australische post googelt sieht man
Bilder von Regalen mit nicht ausgelieferten Paketen, weil es keine
Lieferanten mehr gibt. Die drei Angestellten, die ausliefern schmeissen
das jeweilige Paket mit einem woop vor die Tür, und wenn das offene
Strasse ist, egal. klopfen und klingeln ist überbewertet und
Zeitverschwendung.
S. hat sich einen Rasenmäher gekauft und gehört somit zum Vorort-Vati-Samstag-Morgen-muß-ich-raus-und-männlich-mähen-Club.Das ständige im Schlafzimmer vor dem Spiegel arbeiten hat sich wohl aufs Gemüt gelegt.
Lockdown Woche 7, 15km, 04.-10. Oktober
Diese Woche wurde der lockdown in Victoria offiziell zum längsten lockdown der Welt erklärt.
Die
Inzidenz-Zahlen sind so niedrig wie nirgendwo auf der Welt ausser
vielleicht im Vatikanstaat. Die Impfrate in vielen Melbourner Burbs
beträgt 80%, davon kann Deutschland mit seinen krepeligen 60% nicht mal
träumen. Und trotzdem sind wir immer noch im lockdown.
Wenigstens die Kreide ist angekommen. Wir pflücken Rosen im Garten und
S mäht Samstag früh den Rasen.
Lockdown Woche 8, 15km, 11.-17. Oktober
Draussen
im Park laufen die Polizisten in einer langen Fächerreihe zweimal am
Tag Runden mit jeweils 10 Mann und kontrollieren Abstände. Selbst meine
Obrigkeitshoerigsten Freunde sind super genervt von der Allgegenwart der
Staatsmacht.
Immer weniger Leute tragen Maske im Park. Ein
anberaumtes Picknic im Park mit Freunden wird abgesagt, weil alle
Angst vor den sich ausweitenden Polizeikontrollen haben.
Mitte
der Woche laufen 6 Feuerwehren auf und suchen unten am Fluss aber
niemand weiss nach was. Ich melde mich sofort beim Nachbarschaftsapp an
und bekomme anschliessend jeden Tag Nachrichten, von Menschen die ihre
Dienste als Dogwalker anbieten oder ihre Brotbüchse im Park liegen
lassen haben und jetzt die Nachbarschaftskette aktivieren um selbige
wiederzufinden. Allerdings nichts von dem nächtlichen Einsatz am Merri
Creek von dem niemand zu wissen scheint. Als ich die App gerade wieder
löschen will kommt eine Warnung herein, man soll sich vom
Einkaufszentrum fern halten da dort gerade ein Drogenopfer auf Passanten
mit einem Messer einsticht.
Ich entscheide mich dafür die app vorerst zu behalten.
Im Garten kommen die ersten Pflänzchen.
Unser Schweine übernehmen nach dem Wohnzimmer jetzt Bs Zimmer.
S entwickelt eine Rasenmäher-Konkurenz mit dem Nachbarn, dessen Rasen aussieht als wäre er mit der Nagelschere geschnitten.
Lockdown, Woche 9, 18.-22.Oktober
Die Erdbeeren sind grün.
Ich hab mir die Garage zum Arbeitsplatz ausgebaut und angefangen an meinen Gläsern zu arbeiten.
Während
ich da sitze hör ich plötzlich eine Polizeisirene direkt neben dem
Haus. Als ich rauskomme stehen schon alle Nachbarn versammelt. Ich
erfahre, dass heute letzter Schultag für die Abschlussklassen ist. Da
hatte ich mich vorher schon gewundert warum der ganze Park mit
Halbstarken und Bierflaschen voll sitzt. Die Polizei hatte einen Anruf
wegen unrechtmäßigem Auflauf im Park bekommen und als sie kommen
schalten sie schon zwei Kilometer vorher ihre Sirene an damit alle
Parksitzlinge schnell in die Büsche abhauen können.
Wir stehen
noch eine Weile und bedauern die armen Schoolies, die die letzten Jahre
nichts zu lachen hatten, freuen uns über die Polizei, die auch Kinder in
dem Alter haben und ärgern uns über heimtückische
Nachbarschaftsverräter, die feige bei der Polizei anrufen.
Gute Gelegenheit um allen Nachbarn in unmittelbarer Nähe vorgestellt zu werden.
Ab
Donnerstag geht die Schule richtig los, und ich habe das erste mal
einen Schulling der mit einem großen Lachen nach Hause kommt.
Vorher
hatten wir in der Schule haben wir angerufen und gefragt welche
Schulmaterialien wir brauchen und was wir an Büchern kaufen müssen.
Nichts. Keine. War die Antwort.
Das
verursacht Kopf kratzen, wenn man aus Deutschland kommt, wo Kinder
Schulranzen für dreihundert Euro herumtragen um sich den Rücken nicht
kaputt zu machen wegen der Massen an Büchern die zwingend notwendig
sind.
Die Mäuse übernehmen die ganze Wohnung gestern waren sie im
Schlafzimmer unterm Bett. Deshalb muss die Schlafzimmertür ab jetzt zu
bleiben.
Nächste Woche ist Pferderennen-Feiertag; deshalb mussten wir noch schnell einen Fernseher kaufen, denn was ist eine Melbourne Cup Party ohne Pferde im Hintergrund?
Woche 10, 23-31Oktober
Wir sind das erste mal wieder auf einer Party eingeladen Es dürfen zehn Menschen im Haus zusammensitzen.
Am
Freitag ist Halloween. B verkleidet sich als Steuerbeamter, das finden
die meisten Leute so gruselig, dass sie ihm viel Süßes geben. Am Ende
des Abends machen wir ein kleines Lagerfeuer, alle sind verunsichert
weil es keine Ausgangssperre mehr gibt; und trotzdem wird’s nett.
Danach haben wir ein Langes Wochenende weil Pferderennen ist
Alle Mädchen setzen sich ein Hütchen auf und fallen Mittags schon betrunken in den Pferdegraben; Cup Day ist der erste Feiertag vorm Sommer und so wird er auch gefeiert.
Wir haben Gäste und trinken Apfelsaft in der Sonne, unterm Sonnenschirm im Garten
Der Park ist leer.
Die Restaurantbesitzer sind sich sehr uneins, manche wollen den Impfausweis sehen, manche ignorieren das. Mit dem Einlocken im Geschäft über die App ist es genauso, niemand ist sich sicher was notwendig ist.
