Kooky times

August




Mein Kind nennt mich Sini Martini, das ist besser als sein Vater, der sagt Sini Mussolini.

Das versuche ich einer Blog schreibenden AI beizubringen. Ich komme zu dem Schluss meine Blogposts doch selber zu schreiben, da kommt nicht ganz so großer Mist raus wie wenn man einem Computer beizubringen versucht, was der Unterschied zwischen Martini und Mussolini ist.

Die Kinder entscheiden am Flüßchen Müll einzusammeln, wir sind alle beeindruckt. B ist superenergetisch und sprüht vor Elan; bei mir hat der Kaffee noch nicht gewirkt und es regnet. Er zieht los mit seiner Mülltüte und Grillzange. Auf dem Weg zum Bach reden die Jungs darüber, was sie für Schätze finden werden, ich bin mit meinem Kaffee in der Hand auf den Beinen und bereit, sie bei ihrem Abenteuer zu begleiten!

Wir graben zusammen mit ein paar anderen Eltern ein bisschen am Flüsschen herum, bis alle der Meinung sind, dass wir genug Abfall für heute gesammelt haben. Danach haben ein paar Eltern Pizza und Chips organisiert, was Belohnung genug für die Jungs ist.


Aus Gründen, die sich keinem von uns Eltern erschließen, sind in der dies jährlichen Klasse Jungs und Mädchen streng getrennt. Es gibt null, zero, zilch Durchmischung. Vielleicht ist es das Alter, aber wir tippen auf die Lehrerin, die zwar einen grandiosen Job macht, allen ADHS und anderweitig herausfordernden Kindern ausreichend Aufmerksamkeit und differenzierte Verhaltenstherapie zukommen zu lassen. Aber vielleicht bleiben bei ihrem ausgeklügeltem System mit „extra Haaren auf den Zähnen“ ja andere Dinge auf der Strecke? Wie z. B. das Miteinander der verschiedenen Geschlechter, die nach Beschreibung der Jungs immer kategorisch getrennt werden. Super schade, aber vielleicht ist das der Preis, den man zahlen muss, wenn man heutzutage ein ruhiges Klassengeschehen mit glücklichen Kindern haben will.
Neulich waren wir allerdings bei einem Elterntreff im Pub, da waren wiederum nur Mädcheneltern anwesend und außer uns kein einziges Jungelternteil, was uns dazu veranlasst anzunehmen, dass doch irgendwas mit der Dynamik hier nicht stimmt. 


Allerdings funktioniert ja sonst meistens alles, nur dass wir eben bei jeglichen Aktivitäten Mädchen vermissen. Der einzige Punkt über den sich das Kind allerding kategorisch beschwert, ist, dass all seine Freunde in der Pause Fußball spielen, da hat er aus Deutschland immer noch ein Trauma. Da will er nicht ran. Verständlich.

Er vertreibt sich die Pausen mit zeichnen, manchmal mit Klavier spielen und ganz selten mit lesen (Teufelswerk) meistens hängt er in der Legoecke herum.

 


S. muss von Arbeit nach Amerika. Ausgerechnet Texas, wo Menschen im Supermarkt mit ihrer Knarre rumrennen. Wenigstens ist er ein mittelalter weißer Mann, da ist die Chance, dass er von der Polizei auf der Straße erschossen wird, nicht ganz so hoch. Als er wieder kommt ist er endgültig der Meinung, die Welt ist am Ende angekommen. Die typischen amerikanischen Kritikpunkte sind, alles ist supersized, von den Autos bis zu der Menge an produziertem Plastikmüll. Die Klimaanlagen sind im Hochsommer auf 16 Grad Raumtemperatur gestellt (da sollte sich die letzte Generation mal ran kleben). Er kommt dann auch mit der größten Männergrippe der Welt wieder.

Es riecht nach Frühling, sieht aber nicht so aus, in solchen Zeiten kann man glatt zum Alki werden. Anstelle entscheide Ich aus der Bowlinghalle einen 70er Jahre Wintergarten zu machen.

Das schreibt die AI: "Der Wintergarten ist ein Raum in der Mitte des Hauses, normalerweise im Erdgeschoss, wo ich neben der Dschungelatmosphäre an meinem Laptop sitzen und arbeiten oder einfach nur ein Buch lesen kann. Der Raum hat oft große Fenster und wird für Unterhaltung, Gartenarbeit oder als Platz zum Aufbewahren von Pflanzen genutzt. Der Wintergarten hält Pflanzen von rauer Hitze, starken Regenfällen und kalten Winden fern. Er versorgt Pflanzen auch mit natürlichem Licht, indem es das Dach des Gebäudes verlängert. Der Wintergarten hat viele Verwendungsmöglichkeiten in einer Gartenumgebung. Er hilft, Pflanzen aufzuwärmen, bevor sie wieder ins Freie gehen, insbesondere nachdem sie über den Winter in Töpfen oder Behältern überwintert haben. Im Sommer als Sonnenschutz für Zier- und essbare Gartenbereiche und Wasserspiele. Ich möchte, dass sich die Leute draußen fühlen, wenn sie drinnen sind. " Offensichtlich klopft der Terminator morgen noch nicht an der meinem Wintergarten.

Von unseren Freunden, die nach Perth durchgebrannt sind, hab ich mehrere Monsteras und Hängepflanzen geerbt, das ist ein Wintergarten-Anfang. Das Ende ist die überwältigende Spielesammlung, die wir auch noch geerbt haben … Ich hab mir vorgenommen, mindestens ein neues Spiel pro Woche auszuprobieren. Was anderes kann man momentan sowieso nicht machen, alles ist deprimierend und das Wetter macht einfach nicht, wozu es da ist.


 September

 

Das Kind hat Ferien, und ich wechsle mich mit ein paar Eltern mit der Ferienbetreuung ab. Wir haben einen Tag im Sience-Works geplant. Auf der Hinfahrt höre ich mir gehaltvolle Gespräche an; wie: wenn man oft und schnell genug in den Tank pupst, fährt das Auto. Das ist die kommende Generation und die Hoffnung unserer Zukunft. Die letzte Generation wäre stolz auf den Erfindungswillen und die Fantasie im Namen der Umwelt. Außerdem werde ich auf dem Laufenden gehalten, welche Neuigkeiten es von den Backrooms gibt. Dinge, die bei uns creepy pasta hießen, sind bei Kindern heutzutage wichtiges Allgemeinwissen. Kinder in dem Alter sind zuckersüß und können sich nicht entscheiden, ob sie groß oder klein sind und manchmal sind sie auch einfach nur krass und eklig. Eine Minute lang sind Dinge cringe und Baby, in der nächsten sind sie so fasziniert von der gleichen Sache, dass sie gar nicht mehr weg wollen. Im Sience-Works sind wir den ganzen Tag mit wissenschaftlichen Experimenten beschäftigt. Einmal versuchen mich die Jungs abzuhängen, um auf eigene Faust Unfrieden zu stiften und dürfen sich daraufhin eine Standpauke anhören, die sich gewaschen hat. Am faszinierendsten finden alle den Fettberg hinter Glas in der Kanalisationsausstellung, die die meisten Menschen hier übersehen. Gott sei Dank ist der hinter Glas und hat keinen interaktiven Geruch. Am Ende gibts Eis für alle. Auf der Rückfahrt entdecken die Jungs ein Aufklärungsbuch in der Rücksitztasche des Autos und von da an ist Ruhe im Karton. Alle sind eifrig damit beschäftigt zu blättern und herauszufinden, was das Buch übers eigene und andere Geschlecht zu sagen hat. Manchmal gibts auch leises Gewisper und Lachen hinter vorgehaltenen Händen. Der Mittelfinger heißt ab heute Psst-Finger.

Ich bin am Ende meiner Geduld angekommen, es reicht jetzt mit Winter, ich erinnere mich an Jahre in denen ich zum „Grand Final“ mit T-shirt und Röckchen gerockt hab, dieses Jahr will der Winter allerdings einfach nicht aufhören.

Da es kein Zelten zum „Grand Final“, übers lange Wochenende gibt, fahren wir aufs Land in ein Hotel. Am Strand holt sich S einen Sonnenbrand, obwohl wir gar nicht baden gehen, sondern nur unsere Zehen in den Sand stecken. Weiße nordeuropäische Männer mit (gefühlt)roten Haaren sollten nie, auch nicht im Winter in die Sonne gehen.

 


Die Hälfte des Wochenendes regnet es und wir sitzen im Hotelzimmer, langweilen uns, und in den seltenen sonnigen Momenten versuchen wir uns mit den Fahrrädern und Randonautica die Zeit zu vertreiben. Das Hotel hat sogar einen Pool, deshalb hatte ich in meinem Wahnsinn den Raum dort gebucht. Im selbigen vergnügt sich allerdings nur eine Entenfamilie und die Hotelgäste laufen mit verlangenden traurigen Blicken am Entenpool vorbei und hängen ihre Köpfe noch tiefer in ihre Plastiktüten mit Chips und Cola, die auch keinen Sommer herbeiträumen können.


Im September falle ich zweimal über meinen Fahrradlenker, weil ich zu doll bremse. Sven muss mir eine Bremsbremse (??) einbauen. Danach ist mein Knie nie wieder dasselbe. Das erste Mal schiebe ich es ja noch auf den Alkohol und den fiesen Hügel den ich gerade herabfahre, aber als es zum zweiten Mal auf ebener Strecke am hellerlichten Tag passiert, gibt es keine Ausreden mehr. Ich kann nicht Fahrrad fahren, und man muss mich rund um die Uhr beaufsichtigen, damit ich keine Dummheiten mache. Ich bin jetzt in dem Alter.





Oktober




 

Babys werden gemacht und auch geboren, Gott sei Dank nicht mehr bei uns.
Anfang der Woche ist Überschwemmung
Wann immer Überschwemmungen in Melbourne sind, sehen wir das daran, dass das
Flüsschen neben uns vorbeischaut und B’s Schulweg überschwemmt. Nicht
viel, nur die unterste Ecke des Treppchens, aber genug um aufmerksam zu
werden. Außerdem wird der Fußballplatz gegenüber zum Sumpf und die
Fußballhools müssen woanders grölen gehen.

 


 

 

Die erste Schulfete nach Corona ist ein voller Erfolg, mein Veganer Zupfkuchen sieht so Scheiße aus, dass ihn niemand kaufen will; das nächste Mal mache ich Kekse. Die

Hottentotten hier wissen auch gar nichts zu schätzen!  Das Kind bekommt
ein Eintrittsarmband und darf zusammen mit seinen Freunden den ganzen
Tag, solange es ihm Spaß macht, ins Kicherhaus, auf die Riesenrutsche
und in alle anderen aufregenden Veranstaltungen. Wir Eltern beschäftigen
 uns derweil mit schwierigen schulischen Hilfsdiensten wie Aufsicht beim

 Schoko werfen und dann mit sozialen Verpflichtungen wie Bier trinken
für gute Zwecke. 

Unsere Aufgabe ist es, das Boxmaze zu bewachen,
am Ende des Tages erfahre ich, dass S uns verpflichtet hat, das Design
und den Bau bei kommenden Veranstaltungen zu übernehmen. Kann er ja,
aber dann wird mir klar, dass er damit mich meint? Alle sind sich einig,
dass es mir als Architektin ja sozusagen ein Bedürfnis sein muss, ein
Boxmaze zu entwerfen. 


 

 

Das Kind sehe ich den ganzen Tag nicht und
nach getaner Arbeit treffen sich die Eltern auf ein überteuertes Bier im
 Erwachsenenbereich.
Dann ist Sommer. Komplett ohne Übergang, Sinn und Verstand, aber wer will sich beschweren.
Alle fühlen sich plötzlich wieder sexy und strömen aus ihren Häusern, „Watermelon sugar high“ steckt eine Woche in den Köpfen fest, wohl auch weil mein Kind nichts anderes mehr singt.





 

November 




 


Das Schuljahr ist fast vorbei, und die Kinder werden in den Klassen wieder
neu aufgeteilt. Eigentlich ein guter Gedanke, jedes Jahr von null
anzufangen. Zu Beginn jedes Schuljahres werden die Klassen neu gemischt,
 um jedem Schüler die Chance zu geben, mit einer weißen Weste anzufangen
 und keinen Ärger ins neue Schuljahr zu tragen. Allerdings kommen auch
jedes Jahr wieder die Kopfschmerzen, ob man mit seinem besten Freund in
eine Klasse kommt, oder ob die Direktorin das für zu destruktiv hält.
Jedes Kind hat die Chance 5 Lieblingsmenschen anzugeben und mindestens
einer davon wird in der neuen Klasse sein. Aufregung und Kopfschmerzen
sind die Folgen. Vor allem für B, der endlich einen stabilen und guten
Freundeskreis etabliert hat, gibt das eine Menge Kopfschmerzen.






Unsere Halloweenparty fällt dieses Jahr ein Wochenende zu früh auf einen 40en
von einer Bekannten, die aus Perth kommt, um Ihren Geburtstag zu feiern.
Das angemietete Pub ist gefüllt mit alternden Werwölfen, Robert Smiths
und Morticia Adams’, aber nur in unserem gemieteten Teil. Das Restpub
ist noch nicht so weit und starrt in seiner langweiligen
Brunswick-Alternder-Hipsterheit, auch ein bisschen mit Neid.
Zugegeben, mein Kostüm als Mia Wallace ist ein bisschen lahm, am meisten
beeindruckt mich Nanny Fran Dresher, die ich fast nicht erkannt hätte.

Zum regulären Halloween geht das Kind als Neo von der Matrix. Ich kann Menschen, die Halloween als eingeschleppten amerikanischen Trend verdammen und weise reden, was es für schöne deutsche/australische/ … (bitte Nationalität hier einfügen) Traditionen gibt, nicht abhaben. Lasst doch den Kindern ihren Spaß. Und so super viele Gelegenheiten, mit Fremden und oder Nachbarn ins Gespräch zu kommen, gibt es ja nun gerade in Deutschland auch nicht. Da sollte man doch lieber jede Gelegenheit nutzen. Wenn ich mir die dämlichen Jecken anschaue, die ein halbes Jahr lang die eine Hälfte Deutschlands in Geiselhaft haben, da kann man doch nur wünschen, die währen mit einem Tag Kostüm und Süßem zufrieden … so viel zu Traditionen.
Mit Dekorationen bin ich in meinem eigenen Heim, sehr zum Leidwesen des Kindes, etwas uninspiriert, und auch ziemlich glücklich, dass wir nicht auf der Bettelroute liegen, uns also nicht um Süßigkeiten kümmern müssen.
Anschließend haben wir ein Haus voller mit Zucker vollgepumpter Verrücktlinge, die auf unserer Veranda wild ums Lagerfeuer springen. Wir Eltern ziehen uns mit unserem Bier in die Küche zurück.

S volontiert zu jedem Community-Frühstück zum Burger grillen und wird jedes Mal herzlich beglückwünscht.
Wenn ich den ganzen Tag in der Schule zum Kunsttag Laubhütten baue oder mir
den Tag mit schreienden Frühpubertierenden im Kino vertreibe, gibts ein
herzliches Schulterzucken. Weiße kaukasische Männer im mittleren Alter
sind immer was ganz Besonderes und brauchen viel Schulterklopfen, sonst
fühlt sich die zarte Seele nicht abgeholt.
 

Das ständige Volontieren in der Schule nimmt aber auch überhand, nachdem Corona hinter uns liegt
muss jetzt mit Macht jede ausgefallene Schulfeier und jeder noch so
kleine soziale Event nachgeholt werden bis zur völligen Sozialüberladung
 aller Beteiligten.

Sowieso kommt erst jetzt zum Vorschein, was Corona mit Menschen gemacht hat.
Bands
 touren im Moment nur in Europa. Die einzige Band, die ich erwische, ist
 „Big Thief“, „Pixies“ waren nach drei Sekunden ausverkauft; die kommen
dann wahrscheinlich erst, wenn im Rest der Welt Winter ist, und Flüge
sind im Moment nicht nur für reguläre Menschen teuer.
Außerdem gibt
es kaum noch große Veranstaltungsstätten, mein Liebling Venue, das
„Palace“ ist zu einem hochpreisigen Apartmentkomplex umgebaut worden,
Festival Hall wurde von irgend ner Kirchensekte aufgekauft und Corona
war eh nicht nett zu Veranstaltungsanbietern. Mal sehen, was das neue
Jahr bringt.

Als wir an einem durchzechten Abend durch die Stadt ziehen, finden wir dafür ein paar neue Clubs. Wenn ich dann allerdings
die Zoomerkinder zu Drum’n Bass wie die Emos mit langsamen Bewegungen
andächtig tanzen sehe, fühl’ ich mich wieder alt.


 

So richtig Sommer ist noch nicht, aber die Schweine können schon draußen sitzen in
ihrem Minigehege, sehr zum Gefallen vorbeilaufender Passanten. Ich hab
nur Angst, dass so ’ne überschwängliche Großmutter mal auf die Idee
kommt, die beiden mitzunehmen.
Gegenüber wird der Fußballplatz
gebaut, die aufgebrachten Nachbarschaft konnte das doch nicht
verhindern. Obwohl mir versichert wird, dass die Bäume nicht abgeholzt
werden müssen, wir werden sehen, was da noch passiert.

 

 





 


Dezember

 


Das Kind findet im Moment alles cringe und odd,
ich finde Socken in Highheels sind odd und Eshey Frisuren sind cringe.
Wenn wir alle ehrlich sind, haben wir in unserem Leben mindestens eine peinliche Phase durchgemacht, in der wir uns später gefragt haben, was wir uns eigentlich dabei gedacht haben – ganz klar Teil des Erwachsenwerdens!

Das Kind möchte Billard spielen lernen, also machten wir uns auf, in die Spielarkade um die Ecke. Er ist superaufgeregt. Als ich ihm das Spiel beibringen will, muss ich allerdings feststellen, dass ich auch kein Loch mehr treffe. Jetzt frage ich mich ernsthaft, ob ich schon immer so eine Null im Pool war oder es einfach nur verlernt hab? Mehr üben hilft hoffentlich. Das Gleiche gilt auch für Pingpong, aber da war ich schon immer mittelmäßig drin, auch wenn es super viel Spaß macht.

 Während es in Deutschland zur Fußball-WM Abend ist, habe ich gerade meinen Kaffee zum Frühstück. Ich dachte, das ist eine großartige Gelegenheit, die Spiele live zu sehen. Ich hatte mir allerdings nicht vorgestellt, dass die ersten Spiele schon so schlecht laufen würden, dass ich es bereute, aufgestanden zu sein. Als dann auch noch das deutsche und das australische Team gleich am Anfang ausscheiden, nehme ich mir vor in Zukunft gleich im Bett zu bleiben. Ich kann nicht glauben, dass man darauf 4 Jahre lang wartet und sich dann auch noch ein schlechtes Gewissen machen lässt, wenn man mitschaut. Nur um super unterdurchschnittliches Rumgehopse anschauen zu müssen, Enttäuschend! Wenigstens tue ich nicht so, als hätte ich aus ethisch und verantwortungsvollen Gründen abgeschaltet. Vielleicht sollte man aus ökologischen Gründen das nächste Mal besser vorbereitet sein bei der Wahl des Gastgeberlandes und nicht erst am Ende, wenn der Pokal schon in den Brunnen gefallen ist, mit den Buhrufen anfangen.


Inzwischen hat es sich eingespielt, dass ich alle Geschenke aller Verwandter fürs Kind und den Mann, für Geburtstage und Feiertage ausdenke, raussuche, bestelle, einpacke und Karten schreibe. Wenn das erledigt ist, mache ich dasselbe für alle die eigenen Geschenke, die ich verschenken möchte.
Damit ist der größte Teil meines Dezembers vorbei.
Dann plane ich ’ne Supergeburtstagsparty für S.; und nebenbei ist Dezember die Hauptumsatzzeit für mein Glasbuissness. Da bleibt meistens extrem viel Zeit für die besinnlichen Adventstage … wer braucht schon besinnliche Stimmung, wenn er ’ne Aufgabe hat, der wahre Geist der Weihnachtszeit!

S’s neue Band macht Shoegaze, eine willkommene Abwechslung zum üblichen und inzwischen angestaubten Britpop. Ich schätze die Ironie, da ich gerade lese, dass Britpop Shoegaze zuerst gekilled hat. Alle sind gespannt auf den ersten Auftritt.
Die Geburtstagsparty von S. ist super Fun. Eine Riesenmeute versammelt sich um vegane und nicht so vegane Gulaschtöpfe und Vanillepudding mit Streuseln. Gegen eins werden wir von zwei peinlich besoffenen Mädchen vom benachbarten Airbnb überfallen. Als die merken, dass sie zu dörflich sind, ziehen sie ganz schnell wieder ab, vergessen allerdings ihre Jacke. Am Ende des Abends, (S. ist schon lange bewusstlos mit seinem Eimerchen ins Bett gefallen), schließe ich das Haus ab und lösche die Lichtchen. Ich bin mir super sicher, dass ich die Jacke von den zweien an den Kleiderhaken gegenüber der Tür gehängt habe. Am nächsten Morgen stehen wir auf, da ist sie da allerdings nicht mehr da?
Eine ganze Woche lang machen wir uns Gedanken darum, wie die zwei in unser Haus gekommen sind, um ihre Jacke herauszuhexen. Und ehrlich gesagt finde ich es auch ziemlich beängstigend, dass jemand einfach so während wir schlafen Zutritt zu unserem Haus hat.
Eine Woche später sitzen wir im Auto, um in unseren Weihnachtsurlaub nach Daylesford zu fahren; da fällt die Unterhaltung nebenbei auf die Jacke und ganz nebenbei eröffnet mir mein Kind, dass an betreffendem Morgen, fragliche Mädchen ganz regulär an der Tür geklopft hatten und er ihnen ohne Rückfrage die Jacke einfach ausgehändigt hatte.
Super beruhigend, nicht.



Über Weihnachten sind wir mit Freunden in Daylsford, einem kleinen Erholungsort, der bekannt ist für seine natürlichen Mineralquellen und ist daher ein beliebtes Touristenziel für Wellness und Entspannungsurlaube. Daylesford ist auch für seine lebhafte Kunstszene mit zahlreichen Galerien, Ateliers und Kunsthandwerksläden, zahlreichen Gärten und Parks bekannt.
Wofür Daylsford allerdings nicht bekannt ist, sind die großartigen Fahrradrundwege. Das stört S. aber überhaupt gar nicht, als er beschließt über die Feiertage Fahrradausflüge zu den Quellen und dem See zu machen. Hinzu sind wir ja noch guter Dinge, da wir vor lauter Wald das Elend nicht sehen können, und ohne Mountainbikes eh ständig schieben mussten. Auffallen sollen hätte uns die Situation spätestens nach dem Umstand, dass wir ununterbrochen bergab schieben und ruckeln. Aber da war der Elan noch frisch und der Geist noch wohlwollend gestimmt. Nachdem wir angekommen sind, uns an den Quellen erfrischt haben uns an einem kleinen Picknick gestärkt hatten und auf zum See wollten, wird uns die Situation klar. In der prallen-Nachmittagssonne die Steigung auf der Landstraße wieder hoch; nach zehn Minuten hab ich Angst, dass ich einen Hitzeschlag erleiden muss und Wut auf die Welt, und schmeiße mein Fahrrad kurzerhand in den Busch. Das Kind und ich entschieden einstimmig, dass der Vater, der uns die Situation eingebrockt hat, das ganze auch wieder allein auslöffeln soll, und setzten uns schmollend an den Straßenrand. Einen Hügel weiter findet S. dann auch den weiblichen Teil, unseres befreundeten Pärchens, die schon eher losgefahren waren, kurz vor dem Herzinfarkt in derselben Situation wie uns. Keine Errungenschaft für die weibliche Gleichberechtigung, allerdings in ausgleichender Gerechtigkeit kommt, uns S. dann 20 Minuten später im Auto abholen. Zum See nehmen wir das Auto.



Das Weihnachtsessen ist dieses Jahr besonders interessant, für alles gibt es vegane Alternativen, und mein veganer Grünkohl ist so superlecker, dass man sich heute noch Geschichten davon erzählt.
Nur das Kind ist unhappy; wir hatten uns darauf geeinigt, dass die Bescherung am 25. frühmorgens passiert und am 24. nur ein Geschenk aufgemacht wird. Er fand das doof.
Dabei ist es so schön im Sonnenschein auf der Wiese zu sitzen und Weihnachtsgeschenke auszupacken und auszuprobieren. Ich glaube, er ist heimlich nur sauer, weil er keine VR bekommen hat.




Am letzten Tag drücken wir uns dann zum Gold und Edelstein schürfen an kleinen Bächen herum. Meine Freundin ist seit Jahren ein Pro und B. hat zu Weihnachten einen Schürfteller geschenkt bekommen.
Zum Schürfen braucht man eine Genehmigung, die allerdings nur eine Formalität ist, einen Schürfteller eine Schaufel und einen Hut.
Meine Freundin zeigt uns, wo man die besten Stellen im Flussbett findet, um Edelsteine zu suchen und ganz Reddit ist voll mit Foren, die erklären, in welcher Gegend man erfolgreich ist. Um zu schürfen, kratzt man mit der Schaufel an Stellen, an denen sich der Boden sammelt, wie etwa in Kurven oder hinter Felsen. Füllt den Waschteller mit Wasser und gibt das Material hinein.
Man rührt jetzt das Material in der Schale um und lässt es sich setzen, um die wertvollen Steine von anderen Materialien zu trennen. Wenn das Material gerührt wird, fallen die schwereren Materialien wie Sand und Kies auf den Boden des Waschtellers, während das leichtere Material wie Schlamm und Sand weggeschwemmt wird.
Das macht man so lange bis man alle Klumpen gesichtet hat und feststellt, dass man nix mehr in der Pfanne hat, dann fängt man wieder von vorne an. Eine bessere Methode zum Meditieren gibt es gar nicht.



Zurück zu Hause ist es uns zu heiß und zu langweilig, also entscheiden wir spontan am Strand zu campen und gar nix außer Wellen reiten, spazieren gehen und Kaffee trinken zu machen.  Das Haus und die Schweine überlassen wir dem großen Sohn unserer Freunde, schmeißen alle Klamotten ins Auto und suchen uns am Strand einen Zeltplatz. Der Sommer passiert überraschenderweise zum Sound von Harry Styles, wer hätte das gedacht …

Wir fahren zu meiner Lieblingsstelle dieses Jahr. Zwischen Barwon und Ocean Grove liegt eine kleine Landzunge, die die beiden Städte verbindet, auf der einen Seite ist der Barwon River, und auf der anderen das Meer. Dazwischen drückt sich ein Zeltplatz rum. Auf der Flussseite ist den halben Tag lang Ebbe und man kann Sandburgen bauen, im ruhigen Wasser baden und Spaziergänge machen, bis zur Ankunft des medizinischen Fachpersonals. Auf der anderen Seite hingegen ist offenes Meer, das Kind kann mit seinem Boogieboard stundenlang auf den Wellen hopsen.

Als wir ankommen, stellen wir fest, dass wir offensichtlich nicht die einzigen sind, die diese Idee haben. Die Zeltplatzleitung hat schon zu und S. verfällt in Panik. Ich kann ihn überreden sich zu beruhigen und wir suchen uns einen wunderschönen Zeltplatz direkt am Fluss, glücklicherweise so weit oben, dass uns nachts nicht die Flut ins Zelt kriecht.
Am zweiten Tag stellen wir fest, dass der Zeltplatz extrem ausgebucht, ist und 50 $ Zeltplatzgebühr pro Nacht, halten wir beide für Ausbeutung. Eine ganze Menge Leute versichern uns allerdings, dass das heutzutage normal ist. Wir wohnen neben einer gut organisierten Großfamilie mit verschiedensten Elternkonstellationen und stellen fest, dass die meisten Zeltplatzbewohner aus der Umgebung kommen und über den Sommer hier zelten, als wäre es ihre Gartenlaube. Die Hälfte der Woche ist die Patchworkfamilie verschwunden, sobald sich das Wochenende naht, füllen sich die meist leer stehenden RVs und Familienzelte um uns und es wird Diskolaut.



Nach ein, zwei Tagen fahre ich noch mal nach Hause, weil meine Mädchengruppe eine verspätete Weihnachts-Neujahrsfeier anberaumt hat, und um dem Sohn unserer Freunde den Kühlschrank mit Eiscreme, Chips und Tütensuppen zu füllen. Als ich das Haus betrete, trifft mich der Schlag. Die Bude ist auf 15 Grad runtergekühlt. Mir wird augenblicklich schlecht als ich ausrechne, wie viel das kostet. Das Kind hat keinen Plan, was es bedeutet, wenn man die Klimaanlage im Haus zu lange und zu stark laufen lässt und versehentlich fette Stromrechnungen produziert, weil man die Konsequenzen nicht einschätzen kann. Er hat ja auch noch nie ’ne Stromrechnung bezahlt, das arme Kind. Meine einzige Hoffnung ist, dass unser Vermieter, der unsere Stromrechnung auch immer nur schätzt, denkt, dass das Airbnb hinter unserem Haus so einen großen Verbrauch hatte, dass er unseren Verbrauch niedriger abrechnet als er eigentlich ist. Was nur fair ist, da ich annehme, dass wir oft genug für das Airbnb mitbezahlen.

Zurück am Strand genießen wir die Wellen und vergessen Stromrechnungen ganz schnell. Leider ist über Silvester auf dem Zeltplatz alles ausgebucht und deshalb fahren wir zur Silvesterparty nach Hause zu Freunden.


Januar





 


Danach gehts wieder zurück zum Strand, diesmal bekommen wir einen Standplatz im Rentnerheim.

Wir stehen verlassen auf einem Wüstenplatz, umzingelt von Wohnmobilen, die uns allesamt ihre Rückseiten zuwenden. Wenigstens schaut uns niemand auf den Teller, wenn wir frühstücken, allerdings haben die hinten ja auch alle Fenster. Wir werden auch gleich von einer ältlichen Dame angemaunzt wegen eines Falschparkers, dem ich sträflicher Weise erlaubt hatte neben uns zu parken. Da stapft sich auch schon laut zeternd los, um den Wüstling ausfindig zu machen, ich kann sie noch kilometerweit über den Zeltplatz krakeelen hören. Na macht ja nix, wir wollen eh am Strand rumhängen und nicht am Zelt.

 

Jeden Morgen schnappt sich das Kind als Erstes seine Badehose und springt ins Meer. Ich schwöre, wenn ich es nach drei Stunden nicht wieder rausziehen würde, wäre es nach 'ner Woche immer noch am Planschen, mit rot unterlaufenen Salzwasseraugen. Er würde den ganzen Tag in den Wellen verbringen und am Ende wie ein Schrumpelmonster wieder rauskommen. Ich halte es nur eine Stunde aus. Die Sonne brettert so extrem runter, dass ich mich am ersten Tag trotz mehrmaligen Einölen verbrenne. Danach liege ich nur noch mit langen Klamotten am Strand herum, allerdings bin ich da nicht die einzige. Nur englische Backpacker lassen in Australien am Strand ihre Körper raushängen. Braungebrutzelte Schrumpelkörper mit herabblätternden Hautlappen sind seit den Millennials nicht mehr in. 

 


 


Nachmittags laufen wir meisten nach Barwon ins Annie’s. Da spielen wir ’ne Partie Rommé oder das Kind kann unter Protest seine Hausaufgaben machen, und dann ist der Tag auch schon vorbei. Das ist das erste Mal seit ich weiß nicht wie lang und vielleicht überhaupt, dass wir im Urlaub nichts tun. Dem Kind fetzt es und ich find’ es zur Abwechslung auch mal nicht so verkehrt. Städtereisen und Abenteuerurlaub haben ihren Platz, allerdings sind die Städte hier nicht so abenteuerlich, dass es mich danach verzehrt. Und immer nur Natur ist mir nach 'ner Weile auch zu Öd.


 

Sexualisierte Fruchtlieder von Harry Styles haben sich inzwischen überdudelt und niemand kann mehr Gesinge über Wassermelonen hören. Nachdem wir im Winter stundenlang mit Kate Bush den Hügel hochgerannt sind, gehts jetzt mit Fleedwood mack wieder runter.

Gute Freunde wohnen ganz in der Nähe und wenn wir wirklich mal Abwechslung brauchen, laden wir uns dort ein, um Freundschaftsarmbänder zu knüpfen und Bier zu trinken. Am Ende gehts glücklich wieder nach Hause. Das Kind hat für Wochen rote Salzwasseraugen und keiner kann mehr Strand sehen, wie gut, dass wir in drei Wochen in unseren „echten“ Sommerurlaub an den Strand nach Perth fahren.







 

Als ich nach Hause komme, finde ich einen Brief. Zwischendurch war ich mal zu Hause in FitzNorth, um mit meiner Mädchengruppe Weihnachten zu feiern und einen kleinen Herzinfarkt wegen der laufenden Klimaanlage zu bekommen. In vorfreudiger Erwartung war die Bremse nicht wirklich mein Freund. 9 km/h überm Speedlimit (110 km/h) macht 230 australische Dollar Strafe. Ein verspätetes Weihnachtsgeschenk.

Zu Hause, stelle ich allerdings auch super erfreut fest, dass meine Monstera deliciosas die ich schon fast abgeschrieben hatte, noch am Leben sind. Voriges Jahr hatte ich die an der falschen Stelle in den Garten gestellt und die Sonne hatte sie fast vollständig zu Asche reduziert. Inzwischen haben sie sogar neue Blätter bekommen, vielleicht wird ja doch noch ein 70er Jahre Wintergarten aus der Bowlingalley. Zur Feier des Tages mache ich Teufelseier und denk mir, nicht swingen, aber essen wie in den 70ern. Da fällt in der Einfahrt vor Schreck der Ast vom Baum, den haben die Termiten abgefressen. Die Leute von der Stadt sagen, sie haben keine Lust, den Baum zurückzuschneiden. Drei Tage lang hat S Angst, das Auto in der Einfahrt zu parken, dann vergisst er es und ich werd’ ihn auch nicht dran erinnern.

 




Solange die Ferien noch anhalten, mache ich mit B großes Unterhaltungsprogramm. Eine Freundin kommt von der Küste nach Melbourne, ihr Sohn ist genauso alt wie B und auch ein bisschen neurodivers, aber in die andere Richtung. Die beiden verstehen sich gut. Ich hole sie am Southern Cross ab und stelle wieder einmal fest, dass sich die Stadt seit Covid geändert hat. Je mehr der Bahnhof zur Schmuddelecke der Stadt verkommt, blühen die Gegenden drumherum. Wo früher nur verwahrloste Tristesse war, gibt es jetzt kleine Ladenzonen mit Kaffees. Das Hilton und einige Corporates bauen Landschaften und Wohlfühlzonen. 







 

Wir wollen ins Lume, das eine Ausstellung über die Impressionisten zeigt. Auf dem Messegelände neben dem Casino werden impressionistische Maler auf riesigen Lichtwänden gezeigt. Persönlich hätte ich das ganze wahrscheinlich als albernen Stuss abgetan, aber die Kinder finden es gut, das sollten sie bei dem Preis auch lieber. Als dann auch noch „Clair de Lune“ und dann der „CanCan“ gespielt werden, ist B überzeugt. Glücklich über so viel Kunstverständnis gehen wir zum Sushitrain.


 



Februar


 


Im Februar geht die Schule wieder los. Für uns allerdings nicht lange, da wir entschieden haben, unseren Urlaub nach hinten zu verlegen, um nach Perth zu fahren. Die Flugpreise sind uns in den Ferien zu teuer, da fahren wir einfach zwei Wochen später. 
 In Deutschland wäre das eine Unmöglichkeit gewesen, da wurde uns mal mit der Polizei gedroht, weil wir einen Freitag frei gemacht hatten, um zu einem Vorstellungsgespräch zu fahren. Dabei musste ich mein Kind ja sowieso Heim-Schulen musste, da die Bildungseinrichtungen in NSW (die sowieso kaum Stoff vermitteln)" komplizierte" Kinder für nicht beschulbar halten. 
 In Australien jedenfalls, um zurück zum Thema zu kommen, braucht man keinen Grund, um das Kind aus der Schule zu nehmen, und es geraten auch nicht gleich alle in Panik, dass man in prekären Verhältnissen endet, wenn man mal zwei Tage die Schule nicht besucht, oder zwei Wochen. Der Schulstoff, den der Klassenleiter mitgibt, der scheint mir zu einfach. In Mathe ist das Kind eh gut, da brauchen wir nicht wirklich üben. Aber Englisch, ist ja ganz klar, immerhin hat er die erste Hälfte seiner Schulbildung im deutschen Schulsystem zugebracht, da muss man dolle üben. Und ganz ehrlich, da bin ich Tigermutter, ich bin immer der Meinung, die lernen in der Schule nicht genug. Auch wenn es in Melbs nicht so schlimm wie in NSW ist. Bei mir werden Diktate und Aufsätze geschrieben, da ist er am Ende immer froh, wenn er wieder in die Schule darf.
 

 


Wir entscheiden uns dafür, einen Flug mit einer kostengünstigen Fluggesellschaft ohne Unterhaltungsprogramm und Schnickschnack zu buchen, und selbst die sind noch superteuer. Die Flugpreise in Australien sind nach Corona und der Ölkrise so stark gestiegen, dass wir uns nicht einmal trauen, zusätzliches Gepäck mitzubuchen, da das zu teuer wäre. Unsere Freunde in Perth, sitzen eigentlich auf gepackten Koffern um nach Melbs zurückzukommen. Perth ist bei aller Sonne und Strand halt kein Melbourne. In Freo sind sie nur um die Eltern zu versorgen. Am liebsten würden sie sie mit zurück nach Melbourne nehmen, die sind ja auch schon ältlich. Einen alten Baum verpflanzt man allerdings nicht, egal wie viel Pflege der braucht und wenn man Freunde und einen Strand um die Ecke hat, schon gar nicht. Außerdem wird Ihr Kind in der Schule von Escheys gemobbt. Nach dem Weihnachtsurlaub bei der Tante in Melbourne kommt er gar nicht erst wieder nach Freo zurück, weshalb die Eltern ein noch schlechteres Gewissen haben. Wir verspüren eine gewisse Besorgnis, dass wir schon wieder einen Umzug packen müssen, lassen uns aber gern vom Gegenteil überzeugen. So wirds aber gar nicht. Beim Billigdumper merken die sofort, dass wir zu viel Gepäck auf dem Rücken haben, weil sich die Jungs nicht an meine Packhinweise gehalten haben und wir müssen nachbezahlen. Ich bin sauer. In Perth angekommen werden wir abgeholt und prompt ist der Papa vom E-Bike gefallen, mit seinen 80 und ein bisschen und muss mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus. Wir bekommen ihn bis zum Ende des Urlaubs nicht zu Gesicht. Die Stimmung ist gedrückt, aber nicht lange, Freo bringt alle Herzen schnell zum Strahlen, das Haus ist direkt neben dem Strand und der Kaffeemeile. Jeden Tag stehen das Kind und der Vater früh mit der Badehose in der Hand an der Tür und sind ausgehfertig, dann gehts zur Stadt oder zu einer Besichtigungstour, lange Weile gibts nicht. Außer wenn der Vater arbeiten muss, dann sind das Kind und ich allein unterwegs. Der Garten hinten raus ist eine Dschungeloase und ich werd’ gleich neidisch, weil sich das mit Melbournes Wetter nicht so leicht umzusetzen lässt, da kann Melbourne noch sosehr Boheme-Hauptstadt Australasiens sein, das Klima ist nicht tropisch, sondern bestenfalls alle europäischen Klimazonen in einem an einem Tag. Versuchen werds ichs mit dem Gärtnern trotzdem. 





Perth ist die abgelegenste Hauptstadt der Welt, bekannt für seine wunderschönen Strände, ein angenehmes Klima mit warmen bis heißen Sommern und milden Wintern. Perth ist auch für seine erstklassigen Weingüter und Weinregionen bekannt, die Wirtschaft basiert hauptsächlich auf Bergbau,
 auf den reichen Bodenschätzen von Western Australien wie Gold, Eisenerz
und Erdgas. Die Stimmung ist die einer entspannten Küstenstadt mit vielen Stränden, viel Kultur und plenty Weisswein für die Mutti, solange der Vati in der Mine ist.


 Wir gehen fischen und fangen gar nichts, aber dem Kind fetzt es trotz ADHS stundenlang mit der Angel dazusitzen und darauf zu warten, dass das Fischlein beißt. Man hält es gar nicht für möglich, dass das in Zeiten von VR und Xbox noch einen Zauber beinhaltet.




Wir buchen eine Tour nach Rotto und beschauen dort die Quokkas, die sich wie die Ratten stapeln, um von den Touristen gefüttert zu werden.
Quokkas sind kleine Beuteltiere, die für ihr freundliches und lächelndes Aussehen bekannt sind. Ihre freaky Gesichtsmuskeln verleihen ihnen ein dauerhaftes Lächeln. Sie  sind neugierige und zutrauliche Tiere und oft nicht scheu gegenüber Menschen. Rottnest Island hat eine wunderschöne Küstenlandschaft mit weißen Sandstränden, felsigen Buchten und kristallklarem Wasser, und ist durch den Tourismus dominiert.
 Man kann nur hoffen, dass die Insel nicht so bald zum reichen Wellness Oase verkommt.

 







Zuerst wollen wir nur in Hainetzen schwimmen, aber dann verlassen wir uns doch auf die lokalen Stimmen und glauben einfach, dass hier keine Haie zwischen den Schiffswracks schwimmen. Die Anzahl der Haiangriffe in Perth  ist im Vergleich zu anderen Küstengebieten relativ hoch. Western Australien hat einen Ruf als Gebiet mit einer erhöhten Haipräsenz und einer erhöhten Anzahl von Haiangriffen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eines Haiangriffs
immer noch sehr gering und die meisten Begegnungen zwischen Haien und
Menschen verlaufen friedlich. Das ist aber völlig nebensächlich, wenn man bedenkt, dass erst vorige Woche ein Mädchen im Swan River von Haien aufgefressen  wurde, da hat man keine Lust mehr irgendwo schwimmen zu gehen.
Wir machen eine Bootstour durch die Kanäle unter dem Gefängnis in Freo.
 Auch hier gibt es wie auch im restlichen Australien reichlich
Geschichten über Strafgefangene aus dem Mutterland ...
 

 





Außerdem ist es echt schade, dass jetzt gerade die falsche Zeit für eine
Waltour ist, die befinden sich im Moment an irgendeiner anderen
australischen Küste. Als wir das letzte Mal hier waren, hatten wir eine gebucht.  Mit meinem damals allerdings hochschwangeren Körper war das
Ganze leider keine sonderlich angenehme Erfahrung. Statt die
majestätischen Wale zu bestaunen, saß ich mit siebenjährigen in der
Kotzeecke des Bootes. Die Kombination aus Schwangerschaft und See verwehrte mir den Blick auf die Ozeanriesen.
Unsere Freunde feiern Abschied von Perth bei einer vergnügten Karaoke-Session im privaten Kabuff. Die Stimmung ist wild, jemand kotzt aufs Sofa, und viele singen schräg und volltrunken. S findet, das ist Teufelswerk und geht. Ich finde, das fetzt.  Anschließend setzen wir die Feier bei einer Freundin fort, und 10 gestandene Mädchen tanzen eine Choreografie zu Bonnie Tyler.
Ich bin schockiert, als mir enthüllt wird, dass das komplett improvisiert war.
 Vielleicht bin ich noch nicht besoffen genug,  oder aber hab schon zu viel intus.





Unsere Urlaube zentrieren sich meistens um öffentliche Gebäude, da man daran leicht das Verhältnis der Bürger und Stadtentwickler zur  Gemeinschaftsbildung und deren kulturellen Reichtum ausmachen kann.  Insgesamt spielen die Bibliothek und auch alle anderen öffentlichen Gebäude eine bedeutsame Rolle bei der Schaffung eines  informierten und aufgeklärten öffentlichen Raums für alle Menschen, deshalb spiegelt sie oft das Selbstverständnis der Bürger und der Stadt zu ihren Bürgern wider.
Bibliotheken sind außerdem ein großartiger Ort, um auszuspannen und Informationen zu sammeln, und um die meisten Bibliotheken gibt es auch gute Kaffees.



Die neue Stadtbibliothek in Perth ist leicht zu finden und lohnt sich auf jeden Fall aufzusuchen,  sie hat ein wunderschönen  nach außen  geöffneten Zentralraum mit einem internen Baum. B und ich schlafen erstmal eine Stunde lang auf Sitzsäcken, bis uns S findet.  Die WA Bibliothek hingegen ist eine Schande aus einer anderen Epoche. Ohne Verständnis für Ästhetik und menschliche Bedürfnisse. Dafür sind die umliegenden Museen und die Kunstgalerie es sehr wert vorbeizuschauen. Kunstgalerien sind im englischsprachigen Raum kostenlos zugänglich.




 Die äußere Innenstadt von Perth ist ein Durcheinander, nirgendwo gibt es Fußwege, Beine werden hier wahrscheinlich direkt nach der Geburt amputiert, um die Autoindustrie zu unterstützen. Als wir uns endlich vom Messezentrum zum Elizabeth Quay durchgekämpft haben, lassen wir dieselben im Stadthafen baumeln, essen Eiscreme und beobachten Quallen im Hafen und Guccihandtaschenträger in ihrem natürlichen Habitat.
 Auch in Freo kann man erkennen, wie die Stadtentwickler in den letzten Jahren alles gegeben haben, müssen, um die vormaligen Drogenecken wieder in Konsumoasen zu verwandeln. Die Atmosphäre alternder gutbetuchter Hippies in Strandnähe setzte sich in Freos Innenstadt nicht fort und so musste in den letzten Jahren extreme Entwicklungsarbeit geleistet werden, um die Stadt wieder attraktiv für Touristen und Einheimische zu machen. Die Gegend um die neue Bibliothek erscheint inzwischen sehr attraktiv, am Hafen haben Stadt verjüngende Projekte stattgefunden und kulturell und als Anzugspunkt für alternative Lebensstile ist Freo inzwischen wieder bedeutend für die Region.



Wellen gibt es in Freo ungünstigerweise nicht allzu viele, das macht  zu Hause mehr Spaß, aber das Schnorcheln ist hier ungeschlagen. Gerade als wir uns an das lässige Strandleben in Flipflops gewöhnt haben, müssen wir wieder nach Hause.
Auf dem Rückflug halten sich alle ganz genau an meine Packordnung und alles läuft super glatt, wir haben noch nicht mal großen Jetlag. Die eine Hälfte unserer Freunde ist 2 Tage vor uns in Melbs, die andere Hälfte kommt dann in einem Monat, wenn es dem Papa wieder gut geht nach.