Nachdem wir wochenlang Pappe gesammelt haben, sind wir ziemlich zuversichtlich, dass die Menge für unser Boxmaze ausreicht. Am Freitag vor der Schulparty fährt S mit ein paar anderen Vätern alle Kartons zur Schule. Das alles muss dann nur noch von ein paar starken Männern direkt nach dem Unterricht hinaufgetragen werden. Da stehe ich schon bereit, um zusammen mit ein paar Klassenkameraden von B. die Kisten in der richtigen Reihenfolge aufzustellen. Ich hatte bereits Wochen zuvor einen Plan erstell; als wir dann jedoch vor der Herausforderung stehen, hält sich zu meiner Frustration niemand an die Vorlagen, was dazu führt, dass wir uns zu fortgeschrittener Stunde ein komplett neues Layout überlegen müssen. Zusätzlich hat einer der Väter zur Freude aller eine bildende Künstlerin mitgebracht. Die erklärt uns kreative Prozesse und Sicherheitsrichtlinien. Das führt nach kurzer Zeit dazu, dass ich in der gegensätzlichen Ecke arbeiten muss, um nicht die Contenance zu verlieren.
Nachdem alle Kisten ausgelegt sind, gehen immer zwei Leute durch die Pappreihen, um alles mit Kabelbindern zu fixieren. Dann gestalte ich mit den Kindern die Eingänge und bald müssen alle Kinder müde und fertig nach Hause ins Bett. Ich gehe dann durch die halbfertigen Kisten und bringe die Lichterketten an. Zwischen den Kisten haben wir geplante Kissenburgen zum Chillen. Für die Zonen, in denen die Kisten über Bänke nach oben gebaut werden, können wir mit unseren alten Knochen gar nicht mehr krabbeln. Einer der Väter zerschießt sich dabei sein Knie und kann nicht mehr mit bauen, sondern nur noch am Eingang hocken und reden halten.
Gegen Ein Uhr nachts fangen unser aller Knie an zu schmerzen, und alle Knochen tun weh - das Alter macht sich bemerkbar. Wir humpeln in unsere Betten, nur um früh um 8:30 Uhr wieder in der Schule bereitzustehen, um alles fertigzustellen. Zum Glück gibt es Frühstück und Kaffee für alle Helfer. Gegen Partybeginn sind wir nonstop damit beschäftigt, Eintritt zu kassieren, schreiende Kinder aus den Rettungslöchern zu befreien und ramponierte Kisten zu reparieren. Gegen drei Uhr gebe ich dann die Lichtversorgung innerhalb der Kisten auf. Zumindest laufen die Raumschiff-Sounds und die Musik bis zum Ende weiter.
Alles in allem wird unser Boxmaze von allen Kindern als eines der Highlights der Feier gefeiert, was ein ziemlich großes Lob ist, wenn man sich mit Autoscooter und Kettenkarussell messen muss. Ich habe einigen Freunden Bescheid gesagt, und einige kommen auch vorbei. Am Ende haben wir aber kaum Zeit, mich um irgendjemanden zu kümmern oder selbst die Party zu genießen. Wenn ich nicht eine halbe Stunde lang in der Bratwurstschlange stehe oder zu Hause eine halbe Stunde Schlaf nachhole, laufe ich die ganze Zeit, mit Klebeband bewaffnet, durch Kartons.
Als wir in Brisbane waren, hatte uns Jetstar einen Flugvoucher gegeben, nachdem sie uns geupgraded hatten. Allerdings ist der Flugvoucher nicht lange gültig und auch nicht besonders hoch, aber einem geschenkten Flugvoucher schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Die günstigste Flugroute außer Mildura ist Adelaide, und da wir dort auch schon 13 Jahre nicht mehr waren, machen wir uns auf den Weg. Leider kommt die Entscheidung ein wenig spät und alle Budgethotels mit angenehmer Atmosphäre sind schon ausgebucht. Um also nicht einen Arm und ein Bein verpfänden zu müssen, begnügen wir uns mit den Budgethotels zweiter Wahl. In dem ersten, was wir mit Frühstück gebucht haben, ist der Pool in Bau, die Fenster können nicht geöffnet werden, und das Frühstück besteht aus einer Plastikbox mit Cornflakes, einem Müsliriegel, einer Packung Milch und Orangensaft. Das löst keine Freude aus, allerdings sind Hotelbuffets zum Frühstück sowieso kontraproduktiv. Die sind nie wirklich gut, und man startet immer mit einem Ziegelstein im Bauch und einem schlechten Gewissen, das den ganzen Tag anhält. Zur Wiedergutmachung klaut B immer Kekse vom Hotelwagen.
Adelaide ist so adrett wie die Schweiz und wahrscheinlich, wenn man hier wirklich wohnt, genauso aufregend. Das erste Hotel liegt in einer super Ecke im zentralen Norden Adelaids. Die gemütliche Atmosphäre, die man in den hippen Cafés von Melbourne vermisst, die meistens um zwei Uhr schließen, gibt es hier. In Deutschland sind Kaffee und Bars den ganzen Tag geöffnet, im größten Teil Australiens leider nicht. Kaffees schließen um zwei, dann geht man in ein Pub. B ist vom Space Museum beeindruckt, und ich mag die Bilder und Naturkundemuseen, die wie immer alle kostenlos sind. B darf ein Stück Holz halten, was von den ersten Entdeckern erst aus Darwin mitgebracht wurde, und dann von den ersten Astronauten mit auf die Spacestation genommen wurde. Ein Hiwi in der Bibliothek von Adelaide zeigt uns alle gesperrte Bereiche, weil er grad nichts anderes zu tun hat und super dankbar ist, dass er mal mit jemanden reden darf.
Es gibt einen kostenlosen Ringbus, ähnlich wie in der Innenstadt von Melbourne, und viele Parks, in denen wir unser Abendbrot an öffentlichen Grills zubereiten. Das zweite Hotel liegt am Strand, an der Esplanade, ein bisschen heruntergekommen wie eine Jugendherberge, aber die Lage direkt am Strand ist super. Am Pier werden den ganzen Tag Wasserlöcher gebuddelt, und unter dem Pier spielt ein dickes Walross fangen mit sich selbst. Allerdings bin ich, als ich nach Hause komme, erstmal eine Woche lang krank.