Warten auf Regen, 19/11/06 Unterwegs im Outback





19/11/06
 Viele Grüße von „unterwegs“, irgendwo zwischen dem 16. und 18. Breitengrad, im Regenwald.
Nachdem wir endlich das karge Outback hinter uns gelassen haben, fahren wir schon seit ein paar Wochen in den Tropen herum. Der saftige grüne Wald ist einfach wunderbar, nach der gleichbleibend gelbroten Steppe, die nur durch ein paar Eukalyptusbäume, faule oder tote Huppviecher und Stakseemus unterbrochen wird.
Hier gibt es endlich traumhafte, weiße, völlig menschenleere Strände, Kokospalmen, mit denen wir uns beim Ernten recht schwertun, (S weigert sich auf die Palmen hochzukraxeln, und ich muß meine Wurftechnik noch verbessern, also gibt’s Kokosnüsse nur aus‘m Supermarkt), und alle möglichen Papageien und Eidechsen.
Die Berge wirken, wenn mal eine kleine Siedlung kommt, wie das perfekte Bild der bayrischen Alpen, mit Kühen und Almen dazwischen, außer das kein europäischer Wald, sondern Regenwald darauf wächst. Und der ist wirklich wahnsinnig schön, mit riesigen dicken Stämmen und Lianen, Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wohnen und Farnen, die älter als die Dinosaurier sind. Die Berge hängen am Morgen immer voll mit Wolken, die dann am Nachmittag abregnen (und dabei sind wir noch nicht mal in der Regenzeit!)
Nachts müssen wir uns immer mit der Taschenlampe zu unserem Autochen durchschlagen, damit wir nicht auf Schlangen treten und tagsüber ist es immer so heiß, daß man sich am liebsten gar nicht bewegen würde.
Wenn wir uns dann bewegen, auf unseren wahnsinnig ausgedehnten und irrsinnig gefährlichen Dschungelwanderungen nämlich, laufen wir über, von gutbezahlten Inselbewohnern zusammengezimmerten, soliden Holzwegen, um auch ja nicht mit dem bösen unberechenbaren Dschungel in Berührung kommen zu müssen. Ist ja auch ganz schön naß in so 'nem Mangrovenwald.
Mit Baden ist es hier oben allerdings ein bißchen schlecht, überall tummeln sich doofe Würfelquallen und böse 5-Meter-Krokodile. Am Anfang dachte ich ja, macht nichts, sobald S seine weißen Beine auspackt, sind die so geblendet, daß die schreiend reiß aus nehmen, hat aber nicht geklappt, weiße Touristenbeine sind die wohl gewohnt. Nachdem S dann auch vom bösen Teufelsrochen angegriffen wurde (siehe Steve Irwin), suchen wir uns immer eins von den touristenfreundlichen Quallenbadenetzen, da kann man auch schön in den Wellen toben.
Und wenn man dann doch mal im Innland ein Wasserloch mit traumhaften Wasserfällen gefunden hat, an dem sich nicht die üblichen Krokodile tummeln steht da doch garantiert ein riesiges Schild, daß vor Steinfischen warnt die getarnt als Steine (wasn Zufall bei dem Namen) auf dem Wasserlochboden vor sich hinliegen  und natürlich, wie sollte es anders sein: wahnsinnig giftigiggiftigiggiftigig sind. Also doch wieder zurück in die Touristengebiete...
Sobald man dann aber in die touristischeren Gebiete kommt is sauf-grabsch-Goldkettchen und Asiatenalarm. Die Stütz-Strumpfhosenfraktion trägt Namensschildchen um den Hals auf denen das jeweilige Ressort und Hotel vermerkt ist (Oma Erna aus dem Hotel „Gute Laune“ möchte jetzt gern aus der Krabbelkruppe abgeholt werden, oder wahlweise auch: Wieder eine auf der Strandpromenade umgefallen? JaJa, binden sie das Schildchen gleich an die große Zehe).Tragisch ist der Umstand, daß wir das Schildchenphänomen inzwischen auch schon bei Leuten unseres Alters beobachtet haben (ist es jetzt schon soweit?).
Die Zivilisation hat natürlich auch gute Seiten, in Cairns haben wir unser erstes Froschrennen gesehen, wirklich spannend (wozu war Zivilisation noch mal gut?)
Positiv an der Zivilisation ist, daß es überall kostenlose Picknickplätze mit Bänken Duschen Licht und Gasbarbies (BBQ’s auf denen wir unser Abendbrot grillen) gibt. In Deutschland undenkbar, das würde sofort verwildern, oder von marodierenden Horden abmontiert werden.
In den größeren Städten (die mit mehr als 20 Einwohnern) hat man dann immer einen grossen Pool in der Stadtmitte, für alle, die mal ne Shoppingpause einlegen wollen, oder ganz einfach mit Sand nicht umgehen können.
Wenn man dann allerdings aus der Wildnis, den Touristengebieten oder den grossen Städten herauskommt, riecht es nach Zuckerrohr. Da will man dann gar nicht sein und fährt auch ganz schnell wieder zurück in die Städte, Touristengebiete oder in die Wildnis (wir haben das Zeug mal gekostet, unglaublich, daß da Zucker daraus gemacht wird, der Geruch ist etwa so wie Kuhscheiße mit Honig)

PS: schick doch bitte mal dem S seinem Haartier ein paar Grüße, das fühlt sich so einsam, weil S ihm immer die Show stiehlt.



Die Zeiten, die Zeiten...
Sun, 19. Nov 2006 10:24:26 +0100
Kopfschüttelnde Grüße aus Airlie Beach (dem einzigen sogenannten, an dem es keinen solchen gibt)!
Um das Feld von hinten aufzurollen: Handy; das derzeitige Problem ist, daß wir keine Steckdose im Handgepäck haben und daher der Saft auf dem Akku recht knapp bemessen ist. Das bedeutet Ausschalten und nur im Falle eines Falles einschalten..
Wir sitzen grad in Airlie Beach vor den Whitsunday Islands. Es heißt, diese Inseln seien das schönste, was Australien an Stränden zu bieten habe. Aber der Tourismus scheint hier gut zu funktionieren, jedenfalls sind die Preise für Fährfahrten gigantisch. Und das Schicksal meint es wieder einmal sehr gut mit uns. Pünktlich diesen Freitag fing in allen Küstenorten, die wir bereisen wollen, der Spring-Break an. Eine Kurzrecherche im Netz wird auf Anhieb 1000e Bilder barbusiger und bierbäuchiger Minderjähriger in den Niederungen nachschulischer Feierlaunen zu Tage fördern. Und dies entspricht exakt dem, was sich hier abspielt. Alle grad 18 geworden, Klasse 12 fertig, also an den Strand, saufen, Spielchen, grölen, Autos demolieren, kotzen, was man halt so macht. Wir haben uns spontan für Anpassung entschieden und benehmen uns ab sofort genau so, um nicht in die Kategorien Dörrfleisch oder Faltengebirge zu fallen.
Das Leben findet draußen statt..


 25/11/06
Der wunderschöne Regenwald liegt hinter uns, aber noch lang nicht die spannenden Abenteuer, die giftige Tiere und Wirren des Australischen Alltags.
Also erwähnenswert sind heute die unvorstellbare Vielfalt der australischen Sehenswürdigkeiten... die Riesenmango, die Riesenananas oder das Riesenbierfaß um nur drei zu nennen. Welche allesamt einem Schild oder einer Erklärung bedürfen um sie als eben diesen jenen Gegenstand erkennen zu können den sie darstellen sollen. Die Riesenmango zum Beispiel, wir verbrachten eine ganze Nacht des Zweifels unter diesem grossen rot-gelben Pappmacheewunder und erdachten uns die wunderlichsten Geschichten was denn die magische Bedeutung hinter dieser Wundersamkeit sein sollte, bis uns am nächsten Tag eine nette Frau in der Touristeninformation darüber aufklärte daß es eine Mango darstellt (in manchen Reiseführern wird die Riesenmango auch als geschmackloseste Touristenattraktion Australiens aufgeführt, obwohl man sich auch da nicht einig ist, ob die Riesenananas nicht eher diesen Titel verdient hätte).
Außerdem sind wir sehr stolz mitteilen zu können, daß wir der wundersamen Rasse der australischen  Schulabgänger, seit Airlie Beach, erfolgreich entkommen konnten. Diese hatten sich just die letzten paar Wochen zum haltlosen feiern ihrer Mann/Fraubarkeit erwählt, man nennt es auch Springbreak und jeder Mensch mit mehr als zwei Gehirnzellen versucht in dieser Zeit einen grossen Bogen um Touristenstrände zu machen, und den lieben Kleinen nicht in die Quere kommen zu müssen.


Hände und Kopf bilden eine schüttelnde Einheit!
Mon, 27. Nov 2006 07:12:34 +0100
Einen guten Morgen aus der Rum-Hauptstadt Australiens - Bundaberg!
Hier wird nicht nur ein Fünftel des Zuckers Australiens angebaut, auch das beliebteste Hausmittel zur Leberbestrafung, der Bundaberg-Rum, wird hier von glücklichen Einheimischen in Bodenhaltung unters Volk gebracht.
Haben wir doch glatt den Fehler begangen, unsere Buechsenbohnen-und-Toastbrot-Diaet durch nicht genehmigte Vitaminzufuhr (5,4 kg frische Wassermelone für 2 Personen unter sengender Mittagshitze) zu torpedieren. Folge: Großes Bauch-Aua! Und wir haben die bisherige Reise bilanziert. Erschreckendes Resultat: Die bis hier kalkulierte Reisestrecke wurde um glatte 100,8% überschritten. Nicht schlecht! Und die sehenswerten Nationalparks kommen erst noch. Aber naja, dann gibt‘s halt wieder gehäuft Büchsenbohnen.
 Wir müssen weiter.