Seit 15 Jahren
waren wir
nicht mehr in Brisbane, seit Ewigkeiten haben uns J&J nach Brisbane eingeladen, da der ewige Melbourner Winter ins Haus steht, habe ich Flüge gebucht, um den Whitewalkern zu entkommen
und die Ferien nach dem zweiten Quartal dort zu verbringen.
Zu J&Js Hochzeit fahren konnten wir schon nicht, das
war superschade. Im Nachhinein erfuhren wir aus verschiedensten Quellen,
was wir alles verpasst hatten, nicht verwunderlich, der R-Clan kommt
immerhin aus einer Musiker- und Feierdynastie.
Nie
sind wir
zu irgendwelchen Hochzeiten oder Klassentreffen auf dem richtigen
Kontinent, zum Kotzen ist das. Ich habe ein Hochzeitsdefizit und darf
immer bloß bei den Scheidungen anwesend sein. Ich verlange vom Schicksal
eine prompte Wiedergutmachung in hypergeriatrischen Spätehelichungen
aller verbliebenen Freundespärchen und meine prompte Einladung zu
selbigen. Das Gleiche gilt für Klassentreffen; auch rückwirkend!
J&Js Hochzeit fand gerade zu der Zeit
statt, als unsere imminente Rückkehr und Corona auf einen Tag fielen und wir
das Gefühl hatten, das Schicksal hätte uns eh schon von hinten und vorne
gleichzeitig gefickt;
Unsere Billigflüge werden erstmal gecancelt und dann zu unserer großen Verwunderung auf bessere Flüge mit Bordunterhaltung, Mahlzeit und Gepäck umgebucht. Außerdem bekommen wir für unsere großen Verluste noch einen Gutschein über einen netten Betrag gutgeschrieben. Ich kann mir das ganze nur dadurch erklären, dass Jetstar/Quantas momentan die große Kacke am Dampfen hat wegen unzähligen ausgefallenen und nicht wieder erstatteten Flügen in der Coronazeit, dass sie jetzt vielleicht einfach auf Nummer sicher gehen wollen.


J&J haben ein großes Haus
außerhalb der Innenstadt. S hat Js Tonstudio geplant, und hatte jetzt
das erste Mal die Chance das ganze live zu sehen. S und ich werden im
Partykeller einquartiert und B bekommt das schöne Gästezimmer oben im
Haus. B hätte sich im Keller zu Tode gefürchtet, oben fühlt er sich wie
Graf Koks.Die meiste Zeit verbringen wir auf der üppigen Veranda. J
ist Inneneinrichterin, deshalb fühlt sich das Haus auch
modern und trotzdem gemütlich an. S muss arbeiten, derweil fahr’ ich mit
dem Kind in die Stadt und erkunde die extravagante Infrastruktur
Brisbanes.
South Banks Parklands, ist ein beeindruckendes
Parkgelände am Ufer des Brisbane River, das viele Aktivitäten bietet.
Man kann im Streets Beach, einem künstlichen Lagunenstrand, schwimmen,
spazieren gehen, picknicken oder in Cafés und Eisdielen rumhängen.
Daneben befinden sich auch gleich einige hervorragende Museen und
Galerien, darunter das Queensland Museum, die Queensland Art Gallery,
die Gallery of Modern Art, das Museum of Brisbane und die Brisbane
Library. Wie immer in Australien kostenlos. Die Kunstgalerie ist an die
Wetterverhältnisse angepasst und schmiegt sich wie ein eingegrabener
Prärieklotz in die Umgebung am Fluss. Man kann erahnen, wie die
Temperaturen hier im Sommer sind. Die öffentlichen Räume sind luxuriöses
und freizügig gestaltet. Man fühlt sich als könnte man den gesamten
Urlaub im öffentlichen Raum verbringen, ohne auch nur einmal Eintritt
bezahlen zu müssen. Andererseits ist Queensland und speziell auch
Brisbane als Polizeistaat bekannt. Graffitis findet man nur in
speziellen „Hipster“Areas und generell sollte man sich darauf,
einstellen selbst fürs Jwalking festgenommen zu werden.
Mit J fahren wir auf der Autofähre zu seiner Lieblingsstelle auf „Straddie“
Stradbroke
Island. Das ist die größte Sandinsel in Queensland und liegt etwa 30
Kilometer südöstlich von Brisbane. Die Insel ist in zwei Hauptteile
unterteilt: North
und South
Straddie, wir sind auf
Northstraddie und
sehen Kolonnen von Walen, die sich gerade auf dem ihrem Wanderweg um die
Insel befinden und super viele Delphinschulen, Kängurus und alles
mögliche Wildgetier.
Die Insel ist bekannt für seine
atemberaubende, natürliche Schönheit, und bietet kilometerlange,
unberührte Strände, Dünen, Regenwälder und klare Gewässer. Wir springen
ins Wasser und sind überrascht, dass es im Wasser wärmer ist
als an Land, ganz im Gegensatz zu Melbourne, wo das Wasser immer vom
Südpol kommt.

Am nächsten Abend gibts Abendbrot bei Js Familie, der ganze Clan besteht aus
Musikern und interessanten Nachbarn. Wir erfahren, dass Js Mutti schon
mal in unserem alten Haus übernachtet hat, als wir in Deutschland waren
und J unser Haussitter war.
B wird wie ein ordentlicher Junge verwöhnt und wir bekommen gutes Essen und Gespräche.

B ist super angepisst, dass Australier Ibisse, die man in Brisbane
überall findet, als Müllhünchen bezeichnen. Warum Ibisse Binchicken
heißen?
Weil sie in städtischen Gebieten häufig gesehen werden,
wie sie Abfälle aus Mülltonnen und Abfalleimern fressen.
Seltsamerweise scheinen Menschen immer die Eigenschaften, die sie der
Tierwelt um sich herum künstlich auf drängeln im Nachhinein als besonders
lustige Beschreibung zu empfinden. Jahrelang wurden Tauben als Briefträger gezüchtet
und benutzt. Jetzt, wo sie nicht mehr gebraucht werden und sich, weil
sie so gezüchtet sind, um die Menschen in den Städten häuslich
einrichteten, werden sie als Ratten der Lüfte bezeichnet. Zur Belohnung
für ihre jahrhundertelangen Verdienste
bekommen sie überall Stachel aufgestellt und dürfen nirgendwo brüten.
Komischerweise werden Menschen, die bei McDonalds oder Subways essen,
nie als Müllaffen bezeichnet. Allerdings muss ich zugestehen, der
gemeinen Art der Skater wird durch Hubbel auf öffentlichen Bänken
ähnlich wie den Tauben das Leben
auch
schwer gemacht.
Die Ibisse jedenfalls haben einen langen
Schnabel und lange Beine, die sie nutzen, um Nahrung in Form von
Insekten, Würmern und Nahrungsmittelresten aufzunehmen. In städtischen
Gebieten neigen sie halt dazu, nach leicht verfügbarem Futter zu suchen,
einschließlich menschlichem Abfall. Insbesondere das Kind findet die
allerdings hübsch und die Bezeichnung eine Beleidigung.
Wen das Kind
nicht hübsch findet, ist der Große schwarze Hund von J&J, der ist
nämlich genauso groß wie er und wann immer er mal aus seinem Schlafkäfig heraus zu den Menschen darf, reagiert er wie ein Huhn auf Speed. Er vergisst seine Größe und ist so aufgeregt über alles, dass er am liebsten flattern möchte. B findet das nicht lustig.

Nach unserem Brisbane-Aufenthalt fangen wir straff an, Kartons für unser Boxmaze zu sammeln. Hauptsächlich Kartons für Kühlschränke. S hatte sich das wahrscheinlich nicht so herausfordernd vorgestellt, als er im jugendlichen Übereifer zugesagt hat, das Boxmaze auf die Beine zu stellen.
Ein „Boxmaze“ ist ein Labyrinth oder ein Kriechtunnel, der normalerweise aus alten Kartons hergestellt wird. Diese Boxmazes sind so gestaltet, dass Kinder hindurchkriechen, sich bewegen und erkunden können, und stellen ein wahres Paradies für junge Abenteurer dar. Typischerweise werden sie so konzipiert, dass die alten Pappkisten am Ende des Tages problemlos entsorgt werden können.
Ich bin mir nicht sicher, ob das eine regionale Besonderheit ist, aber hier in unserer Gegend werden Boxmazes in der Regel von Eltern für den Schulkarneval gebaut. Ein Schulkarneval ist eine Fundraising- und Gemeinschaftsveranstaltung, die normalerweise von einer Schule organisiert wird. Sie findet auf dem Schulgelände statt und umfasst Karussells, Spiele, Verkaufsstände und Unterhaltung, um Geld für die Schule oder spezifische schulische Initiativen zu sammeln.
Die Fete bietet Spiele, Verkaufsstände sowie Aktivitäten wie Schokoladenringwurf, das Eintauchen von Personen in Wasserbecken, Gesichtsbemalung und Tombolas. Für die Fete müssen die Teilnehmer Tickets kaufen, bei unserem Schulfest können Eltern im Voraus ein Armband erwerben, mit dem ihre Kinder den ganzen Tag lang unbegrenzten Zugang zu allen Karussells und Aktionen haben. Die Eltern treffen sich in der Regel nach ihren Arbeitsstunden am Bierzelt, während die Kinder den ganzen Tag unterwegs sind.
Darüber hinaus gibt es Verkaufsstände für Essen, an denen Hotdogs, Popcorn, Zuckerwatte, Gebäck und vieles mehr verkauft werden. Die Einnahmen aus dem Verkauf tragen zur Erreichung des Fundraising-Ziels bei. Unsere Schule organisiert normalerweise auch Live-Musikauftritte und Tanzshows, um die Besucher während der Veranstaltung zu unterhalten. Stille Auktionen, Live-Auktionen und Tombolas sind gängige Fundraising-Aktivitäten auf Schulfesten. Häufig werden gespendete Artikel oder Dienstleistungen von örtlichen Unternehmen an den Höchstbietenden versteigert. Lokale Kaffeehäuser, Burgerrestaurants und Pizzerien steuern Essensgutscheine für die Tombola bei. Eltern spenden auch Wochenendaufenthalte in ihren Ferienhäusern oder teure, ungenutzte Weinflaschen für die geheime Flaschenauktion.
Der Hauptzweck eines Schulfestes besteht darin, Gelder für die Schule oder spezifische Projekte zu beschaffen. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Tickets, der Teilnahme an Spielen, dem Lebensmittelverkauf und anderen Aktivitäten werden verwendet, um Bildungsprogramme zu unterstützen, Ausrüstung anzuschaffen oder die schulischen Einrichtungen zu verbessern.
Außerdem ist es der Höhepunkt aller Kinder im Schuljahr und jeder ist immer super aufgeregt vor einer Schulfete.
Auf einem frohgemuten Treffen mit anderen Eltern stellen wir fest, dass unseren Kindern entscheidende Lifeskills fehlen und wir entscheiden, dass das nachgeholt werden muss. Als die Kinder das nächste Mal bei mir sind, gebe ich ihnen
die Aufgabe auf, zur Haltestelle zu laufen
in die Straßenbahn in der richtigen Richtung einzusteigen, und dann
ein bestimmtes Merkmal in der Stadt zu finden, um davor ein Photo zu machen, und dann mit der Straßenbahn zurückzukommen.
Die drei laufen wohlgemutes los und wir hören erstmal eine Weile nix von ihnen. Zur Not haben zwei von ihnen ein Handy mit, mit dem wir kommunizieren können und zur allergrößten Not könnten wir sie auch tracken. Nach einer Weile machen wir uns mit einem Handkaffee auf zum Treffpunkt. Nachdem wir dann
eine halbe Stunde gewartet haben und ich alles immer noch völlig normal und akzeptabel
finde, fängt der Vater des Kindes an mit den zähnen zu klappern und nervös von einem Fuß auf den anderen zu treten, wo denn sein armes Baby bliebe. Er, der vorher der Meinung war, dass das Kind mehr Möglichkeiten braucht um seine Fähigkeiten die Welt zu erkunden auszubauen und besser auf das wahre Leben vorbereitet werden muss. Er, der der Meinung ist, man dürfe Kinder auf keinen Fall auf dem Handy tracken, auch wenn sie damit einverstanden sind, fragt wie das mit dem Handy tracken denn jetzt funktioniert.
Eine halbe Stunde später, als die drei dann angelaufen kommen, weil sie die Anschlussbahn verpasst haben, kann ich ein deutliches Aufatmen vernehmen. Am Abend stellt sich heraus, dass sie nur gelaufen sind, weil sie sich unterwegs superbillige Riesenslushies aus dem 7/11 geholt hatten und nicht wollten dass wir sie damit erwischen.
