Warten auf Regen, 25/07/06 Verschollen im Weinödland

 


25/07/06 Wir sind inzwischen verschollen im schrecklichen Weinödland, Aber: Wir haben einen Job gefunden yippie, und doof wie wir sind, haben wir natürlich gleich den ersten Blödjob angenommen, den es zu vergeben gab … ohne sich über die Verdienst und Aufstiegsmöglichkeiten zu informieren, sind wir jetzt professionelle Weinrebenverschneider, ein Job mit Zukunft! Erstmal war es natürlich superinformativ zu sehen, wo der billige Verschnitt, den wir jeden Tag aus Kübeln trinken herstammt, jetze tun uns nur noch die Hände von der billigen Heckenschere weh (ich hab auch schon Abdrücke, die werden nie wieder rauswachsen). Ist echt der Knaller, bei Qualitätswein in Frankreich sind Spezialisten gefragt, aber hier an den Billigwein lassen sie echt die döfsten Deppen, sich ihren Frust abreagieren (für nen Hungerlohn). Morgen suchen wir was besser Bezahltes! Außerdem haben wir hier, an unserer Wohnstätte ein Stück Touristenfreude der besonderen Art. Wir wohnen in einem echten Trailerpark! Juchhu Unser Caravan ist so versifft, daß man sich zum Essen gar nicht setzen möchte, und neben uns wohnt DIE DICKE FRAU! Lebensaufgabe: keine Einziger Gang am Tag: zum Klo Echtes Leben eben (so viel davon hab ich mir gar nicht gewünscht) White Trash is kein Geheimnis, Toll hier, ist allerdings die Blauverschiebung (nenn es wie du willst, wahrscheinlich dem Ozonloch geschuldet) alles wirkt wie durch einen Polfilter, dadurch wird Weiß wirklich Weiß (im Vergleich zur Restlandschaft) und alles Andere wirkt wie in 'nem Science-Fiction-Film. Die Sonnenauf- und Untergänge sind toll (sehen wir ja alles, weil wir viertel vor sechse aufstehen ...), man hat klares Blau gegen Pink abgesetzt, wirklich wie in Streifen. Außerdem parkt kurz vor Sonnenuntergang immer ein großes Rudel Papageno neben unserer Ruhestätte, so viele Papageien auf einem Haufen hab ich noch nie gesehen. Unser Ford Falcon ist ein toller. Einmal haben wir schon drinnen geschlafen, hier is es allerdings noch zu kalt dafür. S meint schon wegen des Falcon müßte man in Australien wohnen bleiben, aber der is auch extrem gut in Schuß! Das war für den Billigpreis echt ein Glückskauf, weil er einfach mal 'nem Mechaniker gehört hat. Das Baujahr 84 merkt man dem Autochen nur in der Ausstattung an. Blöd is natürlich, daß wir die Suspensions mit unserm Weg zur Arbeit, übers Feld nämlich, total belasten. Ansonsten ist alles, wie in Amerika! Die Aussis haben überhaupt kein Verhältnis zu gutem Essen, Außenpolitik oder irgendwelche Art von Reflexion überhaupt. Ich kann im Supermarkt den gleichen Müllfickfackscheis wie in Jersey kaufen, im Radio und Fernsehen läuft der gleiche Propagandamüll wie überall auf der Welt (wir lassen es nur noch aus), in den Kneipen hängen mindestens zwei Fernsehapparate (ohne Ton) und nebenbei läuft „the best of 80ies“ Langsam wird mir klar, was mit Globalisierung gemeint ist. Na ja, man sollte die Dinge auch nicht immer so ernst nehmen, Ach ja, und meine Musike ... leider hat was mit dem Datentransfer nicht geklappt und nu liegt meine ganze Musik fein säuberlich überspielt in Annaberg … Und wir sitzen hier im Nichts, in der ewigen Stille … außer ein paar Papageien, die machen ganz viel Krach ...

 

 
Wasserstandsmeldung
Sun, 30. Jul 2006 08:49:44 +0200
Kurzum - wir haben uns endlich getraut und die Berufung zum Beruf gemacht. Will meinen, wir sind jetzt Weinbauern. 8 Stunden täglich unter teils sengender Sonne, mit einer Gartenschere bewaffnet durch schier endlos anmutende Reihen rennend, vergammelnde Rudimente vergangener Tage dem Wein entreißend, Ordnung ins gewachsene Chaos bringend. Dazu Unterkunft; vor Tagen noch der lausigste Campingwagen der südlichen Hemisphäre (mit molligen 6 Grad nachts), jetzt kampierend in einer Trockenbaubaracke mitten im Weinfeld, bewirtet von einem, der auszog seine Drogenkarriere mit 45 zu beenden und daher die Einsamkeit sucht - kurzum alles bestens. Arbeit zum Stundenlohn von 7,20 EUR netto erscheint als Novum verglichen mit den Einkünften, die vorangegangener Job erbrachte (1,28 EUR stündlich auf Leistungsbasis). Sparen fällt trotz Abstinenz jedweden Luxus schwer, da sich im Besitz befindlicher Ford Falcon XE GL 1984 6 Zylinder 4,0 Liter, mit handlichen 15 Litern bleifrei im Stadtverkehr vergnügt, was angesichts 60 km Weg zum nächsten Billigmarkt ordentlich auf die Tasche drückt. Eine von zwölf Wochen absolviert, schwarzeneggerscher Händedruck garantiert, kultureller Anspruch abgeschmiert. In diesem Sinne, Amen.


04/08/06
Meine Finger werden immer dicker! Vom Weinverschneiden werde ich zu einer dickfingrigen Weinbäuerin!
Jammer
Nach unseren ersten, nicht so angenehmen Erfahrungen beim Weinverschneiden, haben wir jetzt dann doch einen netten dickbäuchigen australischen Weinbauern gefunden, der uns beschäftigen und gleich auch noch gut bezahlen wollte.
Umgezogen aus dem Caravan sind wir auch gleich, wir wohnen jetzt zwischen Orangenbäumen, direkt auf Arbeit. Das heißt: Wir müssen nicht mehr viertel vor sechse aufstehen, sondern halb sieben (Was für ne Verbesserung)
Die Landschaft ist toll, die Leute sind nett (auch wenn in den Gesichtern der Menschen manchmal so ein leerer Gesichtsausdruck herrscht), aber ich weiß schon, warum ich nie aufs Dorf ziehen wollte, wenn man mal Freizeit hat, ist da wirklich nichts zu tun.
Alle Sehenswürdigkeiten von Mildura (drei insgesamt) haben wir abgeklappert, und jetzt fürchten wir uns dolle vor dem nächsten Wochenende.
Das Arbeiten macht inzwischen schon Spaß (wenn man, wie wir, nach Stunden und nicht nach beschnittenem Weinstock bezahlt wird), neben uns sitzt immer ein kleiner schwarzweißer Trällervogel, der singt abwechselnd die Titelmelodie vom A-Team oder La Cucaracha.
Heute ist S fast einem bösen hinterhältigen Großtierangriff erlegen (wir wußten ja vorher, daß Australien gefährlich ist). Eine gemeine Horde Ameisen jagte ihn quer übers Feld, ja ja, die Wildnis.


Kalendermodell ...
Tue, 22. Aug 2006 10:06:27 +0200
Abschnitt 1 der Australien-Odysses beinhaltet 3 Monate Arbeit auf einer Farm im ländlichen Australien abzudrücken, um sich das Anrecht auf ein weiteres Visum zu erarbeiten. Ums kurz zu machen und Unklarheiten an der Wurzel auszumerzen ein kleines Gedankenspiel:
Stell dir folgende Szene vor: Du liegst mit deiner Süßen in zartesten Träumen, als euch der Wecker um 6:30 unsanft in die Realität reißt. Einem euphorischen Tagesauftakt (waschen mit stinkendem, untrinkbaren Flußwasser) schließt sich ein heimeliges Morgenmahl an (englische Muffins im Stehen in Ermangelung eines Tisches). Kurz vor Aufbruch haucht die Herzdame dir ein Küsschen zu, welches durch ihren weißen Atem (bedingt durch 6 Grad Innentemperatur) filmreif unterstrichen wird. Der Tritt vor die Tür offenbart Bodenfrost und eine vereiste Karre - so stellt man sich Australien vor. Nun der Auftritt des Antipoden, der Vorarbeiter der Hölle mit seinem arthrosegebeutelten Hund „Dog“. Die allmorgendlich gleiche Begrüßung „Howsitgoin?“ erwärmt das Herz, soll sie doch einer der wenigen Kontakte zu Wesen der eigenen Spezies dieser Tage sein. Dem Nuscheln des Bosses entnehmt ihr die Bestimmung eures Tuns dieser Tage - leichtes Aufwärmen (1,5 km Weinreben Grobverschnitt händisch mittels Gartenschere in 2 h) gefolgt von muskelstimulierendem Workout (klassisches Orangenpflücken mittels Beutel und Leiter im Alles-und-zwar-Dalli-Verfahren, Zielgewicht bis 17:00 Uhr mindestens 3,3 Tonnen).
Wenn dir das in Deutschland passieren würde - schweißgebadetes Erwachen. Leider bleibt mir nur festzustellen - Normalität für uns. Landschaft und Schön reichlichst vorhanden bei gleichzeitiger vollkommener Abwesenheit jedweder Kultur.
Bonjour Tristesse ...

P.S. Um den rhetorischen Bogen zum Betreff zu kriegen - wenig Fressen und Workout läßt mich hoffentlich bald zu einem Adonis MarkyMarkscher Couleur reifen ...

Notfall
Tue, 22. Aug 2006 10:19:49 +0200
Wir sind gerade im schönen Mildura und versuchen ein wenig einzukaufen. Mir ist was Dummes passiert - der blöde Internetladen hat derart alte PC-Gurken, daß alle Anwendungen kriechend langsam werden, wenn man den USB-Stick anschließt. Na ja, jedenfalls mußte ich den einmal ohne vorheriges Abmelden rausziehen, da nichts mehr ging. Effekt: PC meldet, Stick sei nicht formatiert, Versuch desgleichen gibt nur die Variante 8 MB und nicht mal das haut hin. Wie kann ich das Ding wieder zum Leben erwecken?
Hier ist sowieso der Wurm in allen Dingen drin. S's Handy (1 Jahr alt) hat von heut auf morgen den Geist aufgegeben (sie hat's wohl einmal zu oft runtergehauen). Dann hat die alte Kröte auch noch meinen Laptop vom Küchentisch gepfeffert - Bruchlandung genau auf der Ecke, an der der Brenner eingebaut ist. Massiver Plastikschaden, aber glücklicherweise nichts Ernstes; Superkleber und jede Menge Geduld haben das Gröbste wieder beseitigen können. Meine heißgeliebte und dringend benötigte elektrische Zahnbürste gibt auch nur noch Röcheln von sich und läßt sich nicht mehr laden. Die Digitalkamera hat immer wieder diese Aussetzer, wo nur noch Flackern vom CCD-Modul kommt, wahrscheinlich sind die Akkus endgültig platt, S's Digitalkamera sowieso. Summa summarum nur Verluste.


 Fri, 01. Sep 2006 10:45:50 +0200
Gute Nachrichten heute, wir können umgehend mit den Valencia-Orangen weitermachen. Aufgrund günstiger Witterung diesen Winter sind diese bereits reif und können vom Baum. Das bedeutet für uns Durcharbeiten bis zum 23. Oktober, danach hat's sichs mit Farmarbeit erledigt, die Visaverlaengerung steht. Und wir verdienen gutes Geld, diese Woche wieder 360 EUR Cash für jeden. Heißt aber gleichzeitig auch 10 Stunden Feldarbeit jeden Tag. Mittlerweile sind wir so im Arbeitstrott versunken, daß abends nicht mal mehr lesen oder arbeiten am Laptop drin ist. Bissel quatschen mit Peter und ein Gläschen Wein, dann Matratzenhorchdienst. Durchschlafen kann ich auch nicht, sehr leichter Schlaf, bei jedem Drehen wach ich auf. S's Hände schlafen ständig ein, weil ihr Karpaltunnel an der Unterseite des Handgelenks zugeschwollen ist und die Blutzufuhr unterbindet. Nesseln und Schmerzen die ersten Stunden des Tages und in der Nacht; das scheint hier allerdings eine Volkskrankheit zu sein.



17/09/06
G`day, da muß man dolle aufpassen, daß man sich dabei nicht verschluckt! Im Moment sind wir immer noch fleißig am Wein verschneiden, allerdings nur auf Teilzeitbasis, was sehr beruhigend ist, da das dann doch eine eher triste und Nervenraubende Zeitverschwendung ist … Reihe für Reihe ablaufen (360 Meter) und alles, was übersteht abschneiden, ist wohl eher was für Friseure! Ich hab mir inzwischen auch ein Radio gekauft, um meinen Geist wenigstens ein bisschen auf Trab zu halten. Aber da kommen auch die ganze Zeit nur Diskussionen über den Libanon oder Lymphdrüsenkrebs (warum bin ich eigentlich aus Deutschland weggegangen?), wenn wir dann unsere zwei Stunden Wein abgearbeitet haben gehts weiter zu den Apfelsinen! Klingt nicht so aufregend? Ist es auch nicht wirklich, aber wir verbessern unseren Schnitt, gefüllter Bins jeden Tag, und das ist doch schon was … grins, inzwischen sind wir bei 8 Bins pro Tag (ein Bin faßt etwa 420 kg). Stell Dir vor, Du würdest aufgefordert, an einem Tag, 3,36 t Apfelsinen zu pflücken, würdest Du denken: spinnerter Scheiß, das. S muß immer auf der Leiter von außen hoch, von der er dann auch regelmäßig unter lautem Fluchen herunterfällt. Und ich krabbel’ immer innen, im Baum hoch (mit Leitern hab ich’s nicht so, wegen Höhenangst), und sitze dann wie ein Riesenäffchen in der Krone oben und winke den doofen giftigen Spinnen und Tausendfüßlern unten zu.
Wir wohnen auch auf der Farm, auf der wir arbeiten, direkt zwischen Avocado- und Orangenbäumen, mit 'nem Hund und 'nem Mitbewohner, der quasi mit dem Fernseher verwachsen ist, was bedeutet ich kenne mich inzwischen bei „Mc Leods Töchtern“ besser aus als in meiner eigenen Familie (oh wie vermisse ich meinen Tatort). Heut hab ich endlich mal ein paar Kängurus gesehen, eine ganze Familie mit Oma und Opa Känguru, hab ich mir allerdings auch spannender vorgestellt, die saßen im Wein, wie versteinert, und taten so als wären sie gar nicht da, nur das Baby im Beutel hat ab und zu mal geblinzelt.
Leben auf dem Land ist gar nicht so schlecht, wenn man sich erstmal mit dem Umstand abgefunden hat, daß es wirklich gar nichts zu tun gibt, außer für teuer Geld ins Pub zu gehen oder wahlweise am Wochenende ins Kino. Für beides muß man 60 km hin und zurück fahren, also überlegt man sich genau, wann man sich diesen Luxus gönnen möchte. Auch die Späti-Situation sieht eher trist aus, jetzt ist mir auch klar, warum sich die Leute hier im Supermarkt immer mit Unmengen an Dingen eindecken, wenn der nächste Supermarkt 20 km weit weg ist, überlegt man sich halt zweimal, ob man nicht lieber die 50 Kilo Sparpackung nimmt.
Außerdem erkennt man den durchschnittlichen White Trash Mildura Farmer am weißen Pickup (der hier Yute heißt), und dem obligatorischen Hund auf der Ladefläche, der wahrscheinlich beim Kauf eines Autos mitgeliefert wird (mehr als ein Hund auf der Ladefläche ist dann sozusagen schon ein Statussymbol). Die Sehenswürdigkeiten hier sind auch ganz doll toll, S bekommt jedes Mal einen Herzinfarkt, wenn wir an hundert Jahre alten Treckern und Dumpern vorbeikommen, ich mein, das war ja auch spannend, die ersten 50 Mal, aber inzwischen bekomme ich Pickel von dieser Art von Freizeitbeschäftigungen. Gestern hatten wir einen freien Tag, und in Ermangelung anderer Freizeitangebote wollten wir in eins von den tausend Naturreservaten fahren, auf halber Strecke mußte wir leider umkehren, weil da dann sozusagen die wirkliche Wüste, das Outback anfing, und unser Auto leider nicht für unbefestigte Strassen gemacht ist …, wir stecken also fest zwischen dem Nirgendwo und dem Ende der Welt.
Witzig ist der Umstand, daß wir von der Politik und den doofen Ausuferungen der EU davonkommen wollten, hier aber jeden Tag von Neuem mit den Ausuferungen der Globalisierung konfrontiert werden. Kaum ein Farmer, der uns nicht die Geschichte vom billig verkauften Wein erzählt, der nicht irgendwann mal ’ne eigene Farm hatte, die aber verkaufen mußte, weil große Unternehmen wie Fosters (mit Steuerabschreibungen), auf Riesenarealen Wein anbauen, und die Preise drücken. Bis vor 10 Jahren war hier noch alles voll mit Getreide und Trockenobst (und angeblich auch mit glücklichen Bauern), und jetzt hast Du Wein, so weit das Auge reicht. Jeder deutsche Weinbauer würde in Ohnmacht fallen, aufgrund der Größe, der Weinfelder hier. Ich meine, wir arbeiten auf einer relativ kleinen Weinfarm, und trotzdem müssen wir riesige Strecken mit dem Auto zurücklegen, um von einem Patch zum nächsten zu kommen. Die Weinfelder hier sprengen wirklich jegliche Vorstellungskraft.
Nichtsdestotrotz ist der Wein und vor allem die Orangen gut für unsere Kondi, S mißt jeden Tag seinen Bauchumfang (nicht zu sprechen von unserem Handumfang …) Wenn wir wiederkommen haben wir ’nen Händedruck von Bären …
Und dann der Wein, ja ja der Wein … die Geschichte vom Wein und dem australischen Land geht so:
Vor nem Jahrhundert oder so kamen ein paar verwirrte Siedler (aus Deutschland) in die Nähe von Adelaide, und weil sie nix zu trinken hatten, und ihnen auch dolle langweilig im grossen neuen Land war, dachten sie sich: bauen wir doch Wein an, is eh das Einzige was wir können. Gesagt, getan, war aber gar nicht so einfach. Weite Flächen und viel Sonne gab es zwar genug (deshalb braucht es hier auch keine Berge, wegen der Besonnung), aber der australische Kontinent hat eine kleine Eigenart, die für Weinbauern gar nicht so einfach zu handhaben ist.
 Vor ner Weile hatte der liebe Gott nämlich beschlossen, daß Australien unter dem Meer geboren werden sollte, und als dann das Wasser keine Lust mehr hatte, verdunstete es einfach und ließ das arme Australien völlig trocken und versalzen allein (was gut wäre, wenn Du Heringe hast, aber der Wein mag das nicht sonderlich gern). Es gab übrigens eine reichhaltige Flora, die sich ganz großartig auf die salzigen Böden eingestellt hatte, wie zum Beispiel die riesigen Malleebäume (eine Eukalyptusart) deren Wurzeln über 2000 Jahre alt werden, resistent gegen Buschfeuer sind, und nebenbei das Salzwasser noch in Trinkwasser umwandelten, von dem sich dann die hiesigen Eingeboren besaufen konnten.
 Die gelangweilten Bauern aber, gar nicht dumm, ließen sich unterirdische Bewässerungsanlagen einfallen, die vom größten und auch einem der wenigen Flüsse Australiens gespeist wurden. So weit, so gut, die schlauen Bauern wußten auch um ihr Handwerk und produzierten ganz vorzüglichen Wein. Das mußten sie auch, denn nach ein paar Jahrzehnten entschieden eine Handvoll Politiker, daß es ganz toll für die Menschheit wäre, wenn sie sich jetzt globalisieren würde. Damit die schlauen Bauern nun weiter ihr Abendbrot auf dem Tisch haben konnten, mußten sie also auch den Menschen in Europa und Amerika ihren Wein schmackhaft machen, und dafür mußte der natürlich ganz besonders gut sein.
Den Leuten in Europa und Amerika schmeckte der Wein dann auch ganz gut, was wiederum die Politiker in Australien freute, und die entschieden nun, daß alle ihre Freunde mit viel Geld keine Steuern mehr bezahlen brauchten, wenn sie leckeren Wein anbauten. Leider waren die guten Freunde mit dem vielen Geld aber nicht so richtig gut im leckeren Weinbau, aber das machten sie wieder wett, indem sie einfach ganz viel von dem Wein anbauten, und dann am Ende einfach alles zusammenkippten, dann schmeckte der Wein auch wieder gut, und das Ganze ist auch noch billig; was die Leute in Europa und Amerika sehr freute, denn jetzt konnten sie noch viel mehr australischen Wein trinken.
Die schlauen Bauern in Australien freute das allerdings gar nicht, denn die hatten nun kein Abendbrot mehr, und der große Fluß ist auch gar nicht mehr glücklich, denn er ist inzwischen ein ziemlich kleiner Fluß, und sein Wasser plätschert fröhlich in den Bäuchen der Europäer und Amerikaner herum … (grins)
So sieht das aus mit unserem Arbeitsplatz (die Geschichte von den Apfelsinen erzähl’ ich dann das nächste Mal).