Das Schuljahr ist fast vorbei, und die Kinder werden in den Klassen wieder
neu aufgeteilt. Eigentlich ein guter Gedanke, jedes Jahr von null
anzufangen. Zu Beginn jedes Schuljahres werden die Klassen neu gemischt,
um jedem Schüler die Chance zu geben, mit einer weißen Weste anzufangen
und keinen Ärger ins neue Schuljahr zu tragen. Allerdings kommen auch
jedes Jahr wieder die Kopfschmerzen, ob man mit seinem besten Freund in
eine Klasse kommt, oder ob die Direktorin das für zu destruktiv hält.
Jedes Kind hat die Chance 5 Lieblingsmenschen anzugeben und mindestens
einer davon wird in der neuen Klasse sein. Aufregung und Kopfschmerzen
sind die Folgen. Vor allem für B, der endlich einen stabilen und guten
Freundeskreis etabliert hat, gibt das eine Menge Kopfschmerzen.
Unsere Halloweenparty fällt dieses Jahr ein Wochenende zu früh auf einen 40en
von einer Bekannten, die aus Perth kommt, um Ihren Geburtstag zu feiern.
Das angemietete Pub ist gefüllt mit alternden Werwölfen, Robert Smiths
und Morticia Adams’, aber nur in unserem gemieteten Teil. Das Restpub
ist noch nicht so weit und starrt in seiner langweiligen
Brunswick-Alternder-Hipsterheit, auch ein bisschen mit Neid.
Zugegeben, mein Kostüm als Mia Wallace ist ein bisschen lahm, am meisten
beeindruckt mich Nanny Fran Dresher, die ich fast nicht erkannt hätte.
Zum regulären Halloween geht das Kind als Neo von der Matrix. Ich kann Menschen, die Halloween als eingeschleppten amerikanischen Trend verdammen und weise reden, was es für schöne deutsche/australische/ … (bitte Nationalität hier einfügen) Traditionen gibt, nicht abhaben. Lasst doch den Kindern ihren Spaß. Und so super viele Gelegenheiten, mit Fremden und oder Nachbarn ins Gespräch zu kommen, gibt es ja nun gerade in Deutschland auch nicht. Da sollte man doch lieber jede Gelegenheit nutzen. Wenn ich mir die dämlichen Jecken anschaue, die ein halbes Jahr lang die eine Hälfte Deutschlands in Geiselhaft haben, da kann man doch nur wünschen, die währen mit einem Tag Kostüm und Süßem zufrieden … so viel zu Traditionen.
Mit Dekorationen bin ich in meinem eigenen Heim, sehr zum Leidwesen des Kindes, etwas uninspiriert, und auch ziemlich glücklich, dass wir nicht auf der Bettelroute liegen, uns also nicht um Süßigkeiten kümmern müssen.
Anschließend haben wir ein Haus voller mit Zucker vollgepumpter Verrücktlinge, die auf unserer Veranda wild ums Lagerfeuer springen. Wir Eltern ziehen uns mit unserem Bier in die Küche zurück.
S volontiert zu jedem Community-Frühstück zum Burger grillen und wird jedes Mal herzlich beglückwünscht.
Wenn ich den ganzen Tag in der Schule zum Kunsttag Laubhütten baue oder mir
den Tag mit schreienden Frühpubertierenden im Kino vertreibe, gibts ein
herzliches Schulterzucken. Weiße kaukasische Männer im mittleren Alter
sind immer was ganz Besonderes und brauchen viel Schulterklopfen, sonst
fühlt sich die zarte Seele nicht abgeholt.
Das ständige Volontieren in der Schule nimmt aber auch überhand, nachdem Corona hinter uns liegt
muss jetzt mit Macht jede ausgefallene Schulfeier und jeder noch so
kleine soziale Event nachgeholt werden bis zur völligen Sozialüberladung
aller Beteiligten.
Sowieso kommt erst jetzt zum Vorschein, was Corona mit Menschen gemacht hat.
Bands
touren im Moment nur in Europa. Die einzige Band, die ich erwische, ist
„Big Thief“, „Pixies“ waren nach drei Sekunden ausverkauft; die kommen
dann wahrscheinlich erst, wenn im Rest der Welt Winter ist, und Flüge
sind im Moment nicht nur für reguläre Menschen teuer.
Außerdem gibt
es kaum noch große Veranstaltungsstätten, mein Liebling Venue, das
„Palace“ ist zu einem hochpreisigen Apartmentkomplex umgebaut worden,
Festival Hall wurde von irgend ner Kirchensekte aufgekauft und Corona
war eh nicht nett zu Veranstaltungsanbietern. Mal sehen, was das neue
Jahr bringt.
Als wir an einem durchzechten Abend durch die Stadt ziehen, finden wir dafür ein paar neue Clubs. Wenn ich dann allerdings
die Zoomerkinder zu Drum’n Bass wie die Emos mit langsamen Bewegungen
andächtig tanzen sehe, fühl’ ich mich wieder alt.
So richtig Sommer ist noch nicht, aber die Schweine können schon draußen sitzen in
ihrem Minigehege, sehr zum Gefallen vorbeilaufender Passanten. Ich hab
nur Angst, dass so ’ne überschwängliche Großmutter mal auf die Idee
kommt, die beiden mitzunehmen.
Gegenüber wird der Fußballplatz
gebaut, die aufgebrachten Nachbarschaft konnte das doch nicht
verhindern. Obwohl mir versichert wird, dass die Bäume nicht abgeholzt
werden müssen, wir werden sehen, was da noch passiert.