Kooky times, September

Das Kind hat Ferien, und ich wechsle mich mit ein paar Eltern mit der Ferienbetreuung ab. Wir haben einen Tag im Sience-Works geplant. Auf der Hinfahrt höre ich mir gehaltvolle Gespräche an; wie: wenn man oft und schnell genug in den Tank pupst, fährt das Auto. Das ist die kommende Generation und die Hoffnung unserer Zukunft. Die letzte Generation wäre stolz auf den Erfindungswillen und die Fantasie im Namen der Umwelt. Außerdem werde ich auf dem Laufenden gehalten, welche Neuigkeiten es von den Backrooms gibt. Dinge, die bei uns creepy pasta hießen, sind bei Kindern heutzutage wichtiges Allgemeinwissen. Kinder in dem Alter sind zuckersüß und können sich nicht entscheiden, ob sie groß oder klein sind und manchmal sind sie auch einfach nur krass und eklig. Eine Minute lang sind Dinge cringe und Baby, in der nächsten sind sie so fasziniert von der gleichen Sache, dass sie gar nicht mehr weg wollen. Im Sience-Works sind wir den ganzen Tag mit wissenschaftlichen Experimenten beschäftigt. Einmal versuchen mich die Jungs abzuhängen, um auf eigene Faust Unfrieden zu stiften und dürfen sich daraufhin eine Standpauke anhören, die sich gewaschen hat. Am faszinierendsten finden alle den Fettberg hinter Glas in der Kanalisationsausstellung, die die meisten Menschen hier übersehen. Gott sei Dank ist der hinter Glas und hat keinen interaktiven Geruch. Am Ende gibts Eis für alle. Auf der Rückfahrt entdecken die Jungs ein Aufklärungsbuch in der Rücksitztasche des Autos und von da an ist Ruhe im Karton. Alle sind eifrig damit beschäftigt zu blättern und herauszufinden, was das Buch übers eigene und andere Geschlecht zu sagen hat. Manchmal gibts auch leises Gewisper und Lachen hinter vorgehaltenen Händen. Der Mittelfinger heißt ab heute Psst-Finger.

Ich bin am Ende meiner Geduld angekommen, es reicht jetzt mit Winter, ich erinnere mich an Jahre in denen ich zum „Grand Final“ mit T-shirt und Röckchen gerockt hab, dieses Jahr will der Winter allerdings einfach nicht aufhören.

Da es kein Zelten zum „Grand Final“, übers lange Wochenende gibt, fahren wir aufs Land in ein Hotel. Am Strand holt sich S einen Sonnenbrand, obwohl wir gar nicht baden gehen, sondern nur unsere Zehen in den Sand stecken. Weiße nordeuropäische Männer mit (gefühlt)roten Haaren sollten nie, auch nicht im Winter in die Sonne gehen.

 


Die Hälfte des Wochenendes regnet es und wir sitzen im Hotelzimmer, langweilen uns, und in den seltenen sonnigen Momenten versuchen wir uns mit den Fahrrädern und Randonautica die Zeit zu vertreiben. Das Hotel hat sogar einen Pool, deshalb hatte ich in meinem Wahnsinn den Raum dort gebucht. Im selbigen vergnügt sich allerdings nur eine Entenfamilie und die Hotelgäste laufen mit verlangenden traurigen Blicken am Entenpool vorbei und hängen ihre Köpfe noch tiefer in ihre Plastiktüten mit Chips und Cola, die auch keinen Sommer herbeiträumen können.


Im September falle ich zweimal über meinen Fahrradlenker, weil ich zu doll bremse. S muss mir eine Bremsbremse (??) einbauen. Danach ist mein Knie nie wieder dasselbe. Das erste Mal schiebe ich es ja noch auf den Alkohol und den fiesen Hügel den ich gerade herabfahre, aber als es zum zweiten Mal auf ebener Strecke am hellerlichten Tag passiert, gibt es keine Ausreden mehr. Ich kann nicht Fahrrad fahren, und man muss mich rund um die Uhr beaufsichtigen, damit ich keine Dummheiten mache. Ich bin jetzt in dem Alter.