Freunde renovieren ihr Haus und wir helfen dabei. Die Gentrifizierung in Melbourne hat viele Gründe, aber wie schnell und stetig die Immobilienpreise in den letzten Jahren gestiegen sind, ist immer wieder schockierend. Inzwischen wird auch nach oben gebaut, aber nur für ein paar Jahre. Das Grundgefühl, das Melbourne vermittelt, ist das einer Gartenstadt, und das hat uns schon immer angezogen. Die überwiegende Existenz von Reihenhäusern mit Gärten sorgt aber auch dafür, dass sich die Stadt wie ein Pfannkuchen oder Durchfall auf Beton ausbreitet.
Steigende Mieten und die Verdrängung zahlungsunkräftiger Bevölkerungsschichten sind in keiner normalen Großstadt der westlichen Welt mehr ein Geheimnis, aber vor zwanzig Jahren kannte man die Verdrängung normaler Mittelstandsfamilien in die Randbezirke der Stadt nur aus London bzw. New York. Inzwischen wohnen die meisten unserer Freunde in Gegenden mit dämlichen Namen wie „Dear Park“, in denen der Name ganz und gar nicht Programm ist und die mit dem Fahrrad schwer zu erreichen sind.
Das Haus was wir renovieren helfen befindet sich gegenüber unseres alten Hauses in unmittelbarer Stadtnähe. Die Gegend ist immer noch sehr Jung, aber wir sind zu alt. Hier gibt es nur vollgepißte Laneways kotzende und grölende Partygänger in der Nacht und keine guten Schulen. Nicht in der Goldilockzone für Familien mit Kindern. Uns stört es nicht, dass wir von hier weggezogen sind, nur B. schaut ab und zu traurig hinüber.
Es ist offiziell Ostern, allerdings sollten wir lieber Erntedankfest zu feiern, es ist Herbst und das Wetter kühlt merklich ab.
Maskenpflicht besteht immer noch. Ich stelle fest dass Coronamasken grossartig sind, wenn man tagsüber mit Freunden ein Weinchen trinkt, dann das Kind abholen muss und nicht allen anderen Elernteilen seine Fahne ins Gesicht schlagen will. Noch dürfen alle von zu Hause arbeiten, Es lebe Corona und Daytime-drinking.
S baut kräftig einen riesigen Käfig für die Schweine, weil wir in den Urlaub fahren wollen und die beiden ja trotzdem Auslauf brauchen. Ein Freund füttert, aber ich glaube nicht, dass es sein Ding ist, die beiden sauber zu machen. Dann bleibts halt zwei Wochen lang dreckig.
Echuca Zeltplatz: Niemand hat hier ein Zelt, wir stehen verloren zwischen Rv’s und Wochenendhäusern, allerdings findet B schnell heraus, wie man den Gemeinschaftsfernseher auf Utube umstellt und findet dadurch schnell Anschluss.
Wir fahren mit dem Raddampfer auf dem Murrey und haben gleich den idealen Tag erwischt. Die zweite Brücke der Stadt wird mit Feuerwerk, Salven und grossem Pompom eingeweiht, während wir auf dem Wasser sind. Alle Raddampfer Australiens haben sich zu einem großen Treffen versammelt, von den kleinsten Familiendampfern bis zu den größten ehemals industriellen zuckeln sie alle vor sich hin und tuten sich gegenseitig an. Echucas Altstadt ist ein Museum, interressant, aber nicht sehr groß. Die umliegende Gegend besteht aus Feldern und angemalten Wasserspeichern.
Endlich haben wir das entsprechende Auto um im Busch zu campen, wir fahren Stunden durchs Unterholz um anschliessend im Busch am Murrey zu campen. Die Stelle ist gut, aber ich hatte in den Jahren vergessen wie wenig der Murrey meine Art von Landschaft ist, der Boden ist karg und staubig und generell nur ein Schlammloch.
Swan Hill ist ein Loch, wir halten in der Museumsstad.Das macht dem Kind Spass. Der Zeltplatz hat einen Pool, Kinderanimation eine Miniarcade und Minigolf aber keine Zelte, nur Rv’s und Campinghäuser. Sind Zelte während Coronazeiten ausgestorben?Auf dem Weg begegnen uns verarmte Städtchen, Farmerskunst, viele Milchprodukte, Roadhouses und ausgestorbene Landschaften.
Wir machen in Hattah Kulkyne halt und freuen uns ueber die schoene Landschaft, endlich weg vom Murrey, kein grosser Verlust. Es ist extrem leer hier, zu Ostern hätte ich mit eine erdrückenden Welle anderer Camper gerechnet, die uns alle unseren Platz streitig machen wollen, aber es ist so gut wie niemand hier. Keine Boganfamilien mit riesigem Anglerzubehör und quietschenden Yutereifen. nur ganz oben hinterm Busch spielt den einen Abend eine Familie mit vorderasiatischen Wurzeln ein bisschen Eurotrashdisko, aber damit könen wir leben.
Zu Ostern werden unsere Lebensmittelvorräte knapp und wir versuchen einen Laden in der Umgebung zu finden. Die Handvoll Roadhouses in hundert Kilometer Umgebung haben alle geschlossen, nur eine Tankstelle hat offen. Ich kaufe Milch und Mehl; Eier gibts nicht mehr. Irgendwie werden wir schon überleben, solange das Bier und der Kaffee nicht ausgeht, lässt es sich auch mit Corflakes und Mehlfladen überleben.
Ostern ist vorbei und wir ziehen weiter nach Mildura. Hier kennen wir jede Sackgasse, denn hier haben wir auf einer Farm vor 15 Jahren gearbeitet. Wir sind seitdem das erste mal wieder hier und unser ehemaliger Farmboss besteht darauf, dass wir bei ihm schlafen. Mit Sightseeing sind wir schnell durch, so viel gibt es hier nicht zu sehen. Wir versuchen unsere alte Farm zu finden aber alles ist anders. Der Besitzer ist ein anderer und von den Orangen, dem Wein, und den Avocadobäumen steht nicht mehr viel.
Das Kind ist begeistert, unser ehemaliger Boss hat seine Enkelkinder da und alle spielen erfolgreich Minecraft, was für ein kulturell anspruchsvoller Urlaub. Aber mehr als entspannen und gutes Essen ist hier auch wirklich nicht zu tun, die Sandstrassen sind vom vorübergezogenen Regen aufgeweicht, deshalb ist es unmöglich für uns nach Mungo weiterzufahren und wir bleiben in Mildura.