Anfang des Monats finde ich ein Flugblatt für ein Nachbarschaftsmeeting in unserem Briefkasten. Da wir ernstzunehmende und ordentliche Mitglieder des Viertels sind nehmen wir unsere Verantwortung ernst und gesellen uns am benannten Tag pflichtbewusst zu den ältlichen Damen die für die Nachbarschaftsentwicklung verantwortlich sind. Erwartungsvoll harren sie an beschriebener Adresse aus. Es geht um den Park auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Der Vorschlag der Verantwortlichen Stadtentwickler ist: den bestehenden Minifussballclub auf die Grösse einer Nationalmannschaft auszubauen. Das schreit nach Korruption. Auch wenn die Anschuldigung nur im Raum steht, wird sie sehr ernst genommen. Gestandene Hausmuttis heben ihre Stimmen und am Ende droht der Trainer mit Dresche. Das nenne ich Lokalpolitik. Ich werfe mir mit S über die Köpfe der aufgebrachten Menge Blicke zu, ich muss mir ein grinsen verkneifen.
Der Fußballclub hat eine riesige Bar, die Hälfte hätte es auch getan. Dann wäre auch noch ausreichend Platz für die geplanten Umkleiden und es müssten für die Pläne nicht mehrere große alte Gumtrees abgeholzt werden. Sowas plant man nur, wenn man so viel Geld wie möglich, möglichst schnell unterbringen will.
Endlich lernen wir all unsere Nachbarn kennen, nach vollbrachter Arbeit gibts noch ein Sausage Sizzle, ein BBQ auf dem Sportplatz.
Gerade als ich die Nachbarschaft so idyllisch finde, kommt ein schreiendes Mädchen auf mich zu, die sich als gestandene Lokalpolitikerin herausstellt.
Das Politikmädchen/Frau unterstellt mir um jeden einzelnen Baum zu trauern, und ich überlege angestrengt, wo sich hier die Anschuldigung versteckt.
Das wäre eigentlich ihr Job, wenn sie und ihr Mann, wie sich herausstellt, ihre Jobs im Rathaus nicht von ihrem korrupten Vater bekommen hätten. Der baut Sportplätze in Ausmaßen, bei denen man es nicht mehr merkt, wenn einem Geld hinten runter fällt. Ich versuche mich unter Vorwänden von ihr wegzustehlen und gebe anderen Menschen die Chance sich mit ihr auszutauschen.
Ich esse meine Wurst lieber in Ruhe.
Die Meerschweinbabys werden immer grösser und brauchen neue Familien.
nachdem
wir festgestellt haben, dass Sie alle Jungs sind, dürfen sie beim
Lemmie wohnen und die DiDi hat für eine Weile ihre Ruhe. B verteilt in
der Schule tapfer Flugblätter obwohl er sie lieber selber behalten
würde. Eine Lehrerin erzählt uns von einer Meerschweininfestation vor
einer Weile, und dass das wahrscheinlich der Grund ist, warum der Markt
hier gerade ein wenig Übersaettigt ist. Ein paar Kinder hatten ihre
Schweinchen zusammen “spielen” lassen; Ich bekomme einen roten Kopf und
hoffe insgeheim, dass unser wirklich alles kleine Jungs sind.
Meerschweinchen können ab einem Alter von 3 Wochen Geschlechtsreif
werden, und Inzest wird in Meerschweinkreisen nicht wirklich
missbilligend angesehnen…

Noch ein Grund Lemmies Kastration voranzutreiben, allerdings muss er danach immer noch 6 Wochen getrennt von DiDi wohnen. Die Babys kommen in supernetten Familien unter, und Lemmie und DiDi sitzen immer noch in getrennten Wohnungen. Es ist herzzerreißend, dann bekommt er kreisrunden Haarausfall weil er der DiDi so nachtrauert. S entscheidet er kann das alles nicht mehr mit anschauen und lässt die beiden nach 5 Wochen zusammen. Was für eine Freude!
Das Kaffee um die Ecke hat inzwischen auf Icecreme und Milkshakes umgestellt, superschlau, wenn man eine Schule neben sich hat.
Ende des Monats kaufen wir uns endlich ein Auto. Nachdem wir jeden Pathfinder in Melbourne und Umgebung probegefahren haben, entscheiden wir uns dagegen. Zu Corona ist inzwischen ein Krieg dazugekommen, nun sind überhaupt keine okayen gebrauchten 4x4s von vor 2010 mehr zu finden.
Ich bin der Meinung, vor 2010 sahen die Geländewagen noch nicht wie rundgelutschte Bonbons oder Panzer und Muttiautos aus, sondern wie was, was Indiana Jones gefahren hätte.
Ohne Alternativen entscheiden wir uns für einen Nissan Xtrail ohne Bullbar CBFunk oder Nebelscheinwerfer. Vielleicht kann ich das ja Nachrüsten lassen, auf jeden Fall sind wir fertig fürs campen!