house on the hill, Dezember




Mein Salat ist fertig zum Ernten.

Keiner von uns hat Lust dieses Jahr Weihnachten wegzufahren. Wir wollen lieber rumfaulen und baden gehen. Während andere Menschen dieser Erde Coronakoller  haben und jetzt so viel wie möglich aus dem Haus müssen, sind wir von Übergangslösung zu Zwischenlösung gezogen und sind jetzt froh dass wir auf unserer Veranda sitzen und die Papageien beobachten können.
Die Nachbarn sind in den Weihnachtsferien und haben uns währenddessen  ihren Pool zur Verfügung gestellt.

Wenn wir wirklich wegfahren wollten, währe es jetzt sowieso zu spät etwas zu finden. Jetzt nachdem der Lockdown vorbei ist herrscht auf Airbnb Anarchie.



Das Ende des Lockdowns hat andere Vorteile, wir parken das Kind bei B&J und gehen ins Kino, um Dune zu sehen. Ich habe als Teenager alle 8000 Bücher gelesen, daher nervt mich keine der Verfilmungen, aber S schläft während der ausgedehnten Start- und Landeszenen verschiedener Raumschiffe mehrmals ein. Wir sind relativ geteilter Einstellung über die Qualität des Films und stimmen einander zu, verschiedener Meinung zu sein.

Tanzen gehen ist diesen Monat ein Highlight, ein Freund legt auf und nimmt mich mit, leider werden alle beteiligten Partypeople sehr schnell müde oder betrunken, unserem Alter entsprechend; und ich bin die einzige die noch Tanzstamina hat. Der kleine Barkeeper im Alter ihres Sohnes verbietet meiner Freundin die Shots, weil sie ihm zu betrunken vorkommt. Danach hat sie auch keine Böcke mehr und wir ziehen all nach Hause auf die Veranda zu B&J um mitten in der Nacht laut Musik zu höhren, bis die auch alle einschlafen. Zwischen den ganzen Schnarchnasen verliere ich die Lust und radel nach Hause.

Das Kind hat so viele Weihnachtskalender aus den letzten Jahren übrig, dass wir keine Neuen brauchen, sondern die jetzt erstmal aufmachen. Keiner von ihnen hat Schokolade dank der verantwortungsbewussten Großeltern, aber alle haben verschiedene Geheimnisse, biologische/physikalische/chemische Wunder.  Wir  schaffen wieder nur die erste Hälfte und lassen den Rest der Kalender für das nächste Jahr. Ich fühle mich schlecht, nur 90% meines Tages widme ich der intellektuellen Verbesserung meines Kindes; kein Wunder, dass er zurückbleibt und später Müllfahrer werden muss.




Weihnachtskarten sind alle gedruckt und geschrieben, mal sehen wie lang die brauchen.
Der Weihnachtsbaum wird dieses Jahr spät aufgestellt, bei den Temperaturen fehlt das Weihnachtsgefuehl aber mit genug Mariah Carey und Wham wird das wieder grade gebogen.



Für Leberwurst und Weihnachtswiener waren wir schon Wochen vor Weihnachten auf der Jagd, nachdem wir 2 Wochen lang die Wiener für die Weihnachtsparty gesampelt hatten, hatte am 25. eigentlich niemand mehr Appetit darauf.



Da wir hier keine Familie haben feiern wir den 24./25. bei Freunden. Traditionell ist hier der 25.der grosse Familienpartytag. Ich helfe früh schon die Tafel bei B&J aufzustellen. Die beiden haben eine extra grosse Familie und laden zum 25. immer noch weitläufig Freunde ein.
Vor ihrem Reihenhaus haben sie einen kleinen Park, dort kommt die Weihnachtstafel hin und vom Balkon im ersten Stock legt J auf, um den  restlichen Park mit elektronischer Musik zu beschallen. Das stört,  hoffentlich niemanden da die meisten Nachbarn ziemlich jung sind und bei ihren Familien feiern. 


Es beschwert sich jedenfalls niemand.
Schon nach drei Stunden sind wir alle so voll mit Cocktails, Braten Kartoffelsalat, Kuchen und noch mehr Cocktails dass sich niemand mehr bewegen kann und alle zu Verdauungsrauchern werden, obwohl sie vor 30 Jahren damit aufgehört haben.
Auf halbem Weg bekommen wir Verstärkung durch einen Mann in den Dreißigern, der aus Plastiktüten lebt. Er erklärt den Kindern, wie man Meth streckt, und zeigt uns, wie man stundenlang Unterhaltungen mit sich selbst unterhaltsam hält und auf interessante Weise tanzt. Von oben hört man die Partycrowd hollern, es gibt einen Startschuss und alle Kinder stürzen sich unter Geschrei auf Geschenke; die Geschenkpapierfetzen fliegen…nach 7 Stunden brechen alle übriggebliebenen Gäste leblos auf den Sofas zusammen. Um neun wird das Licht ausgeknipst. J und ich schauen die letzte Folge Wheel of time und schlafen lauthals ein.


 

Danach gehts zu E. ans Meer.
Nachdem wir unser Kind mehrmals bei B&J geparkt haben ist er VR-crazie und die VRbrille ist ihm inzwischen im Gesicht angewachsen. Nichts was man nicht mit ein paar Tagen Strand und Fahrradfahren unter vielen Beschwerden wieder geradebiegen kann. Beim Schlammburgfight und   auf dem Boogieboard im Salzwasser vergisst man all seine Probleme.












Silvester ist so heiss dass die Hälfte unserer Gäste nicht aus ihrem Haus wollen und unsere Party kleiner als angenommen wird. Wir haben eine Klimaanlage! Trotzdem hängen wir alle im Kiddiepool. Bleigiessen kennt hier niemand und alle sind begeistert, dass ich Blei-Wax-Wahrsagepäcken aus Deutschland mithabe. 2022 kommt, ob wir wollen oder nicht.
Das mit dem: “es kann nur besser werden” ist so 2021.